Zwischen Sylter Weitsprung-Ruhm und Löwenzahn-Slalom: Ein Plädoyer für den Multipark
Wer Ende der siebziger Jahre an einem lauen Sommermorgen in der Sandgrube des Syltstadions einschlug, der wusste noch, was echte Schwerkraft bedeutet. 5,20 Meter – das war damals die Währung im Westerländer Sand, eine Marke für die Ewigkeit (oder zumindest bis zum nächsten Sportabzeichen). Damals war das Stadion zwischen Sylt-Aquarium und Südwäldchen unser Wohnzimmer. Bundesjugendspiele waren keine lästige Pflicht, sondern der Tag, an dem die Inseljugend zeigte, was in ihr steckt.
Wer heute einen Blick über den Zaun wagt, braucht allerdings eine gute Portion Humor und eine Vorliebe für „Lost Places“. Die Laufbahn bietet statt Bestzeiten eher einen gepflegten Löwenzahn-Slalom, und die Weitsprunggrube scheint mittlerweile exklusiv an die lokale Kaninchen-Population untervermietet zu sein. Es ist fast rührend: Zwischen dem Rost und dem Grün entdeckt man in der Erinnerung noch die Werbebanden von Radio Godbersen oder Sport Matzen – Relikte einer Zeit, als die Welt auf Sylt noch in Ordnung war und man beim TSV Westerland nicht über „Deckelungssummen“, sondern über Bestleistungen sprach.
Doch jetzt regt sich was unter der aktuellen Schneedecke, die sich wie ein gnädiger weißer Teppich über den Sanierungsstau legt. Der neue Skatepark blitzt bereits hervor und man muss ehrlich sagen: Das Ding ist ein Magnet. Im Vergleich zu den Nachbarn in St. Peter-Ording spielt Westerland hier nicht nur in einer anderen Liga, sondern, wie wir Insulaner wissen, in einem ganz eigenen Universum.
Das aktuelle Interview der SHZ mit der TSV-Spitze macht aber auch klar: Ein schicker Skatepark allein rettet die Sylter Sportseele nicht. Wie Vorsitzende Silke Mielck und Andrea Dietzler dort richtig betonen, darf das Projekt nicht bei den Rollbrettern aufhören. Der Multipark muss das ganze Paket werden – inklusive des Multifunktionsgebäudes, damit das „Wir-Gefühl“ wieder ein Dach über dem Kopf bekommt.
Es ist Zeit, dass die Leichtathletik auf der Insel aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Wir brauchen keinen Hindernislauf um Kaninchenbauten, sondern eine Anlage, die zeigt, dass uns die Jugend mehr wert ist als nur eine Randnotiz im Tourismuskonzept. Damit auch die nächste Generation die Chance bekommt, an einem Sommermorgen bei 5,20 Metern im Sand zu landen – ohne dabei direkt in einem Bauungeheuer zu verschwinden.
Der Multipark ist kein Luxusgut, er ist die Einlösung eines Versprechens an alle, die hier aufgewachsen sind und noch aufwachsen werden. Packen wir’s an, bevor der Löwenzahn auf der Zielgeraden ganz die Oberhand gewinnt!
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