Zwanzig Jahre Jugend, kein bisschen müde: Sylt sagt Holger Bünte Tschüss
Er hat Teenager zum Tanzen gebracht, Generationen vor eine Kamera gesetzt und Pausenhofstreit geschlichtet. Jetzt hat die Gemeinde Sylt ihren langjährigen Jugendpfleger in einer Feierstunde verabschiedet.
Am 1. April 2006 hat Holger Bünte als Jugendpfleger der Gemeinde Sylt angefangen. Ein Aprilscherz war das nicht, auch wenn manche Kollegen anfangs vielleicht gewettet haben, wie lange einer diesen Job auf einer Insel durchhält, auf der Jugendliche gern mal zu einer bedrohten Art erklärt werden. Die Antwort kennen wir jetzt: mehr als zwanzig Jahre. Bürgermeisterin Tina Haltermann hat ihn nun offiziell verabschiedet und dabei sein Engagement für die jungen Sylterinnen und Sylter gewürdigt.
Raum schaffen statt Programm abspulen
Bünte wollte nie der Mann mit dem Bastelkoffer sein, der den Nachmittag vollplant. Er wollte jungen Leuten Platz geben: für eigene Ideen, für ihre Interessen und für eine echte Auseinandersetzung mit der Insel, auf der sie aufwachsen. Wenn es dabei krachte, war er auch zuständig. Schulmediation und Konfliktlösung gehörten genauso zu seinem Alltag wie Kreativangebote. Für den staatlich anerkannten Erzieher war Jugendarbeit nie bloß Freizeitgestaltung. Sie war ein Ort, an dem Menschen und Sichtweisen zusammenkommen, die sich sonst eher aus dem Weg gehen.
Von Kamera bis Choreografie
Was davon bleibt, lässt sich teils sogar anschauen. Der Film „SÖL – Dialog der Generationen“ hat Jung und Alt auf Sylt ins Gespräch gebracht, und zwar so überzeugend, dass man sich fragt, warum das sonst nur beim Kaffeetrinken mit Oma klappt. Zusammen mit der Choreografin Suheyla Ferwer hat Bünte außerdem die Gezeiten-Tanz-Company gegründet. Zwanzig Jahre lang ging es dort um Kultur, um Ausdruck und um die Erfahrung, dass Gemeinschaft mehr ist als eine WhatsApp-Gruppe. Dazu kamen unzählige Aktionen, bei denen Jugendliche herausfinden konnten, was in ihnen steckt.
Aus Bremerhaven über die Vogelkoje ins Rathaus
Geboren wurde Bünte am 2. August 1959 in Bremerhaven, also in einer Stadt, die mit Wind und Wasser umzugehen weiß. Gute Voraussetzungen. Nach der Erzieherausbildung sammelte er Erfahrung in verschiedenen sozialen und kulturellen Arbeitsfeldern, bevor er zur Pädagogik zurückkehrte. 2002 kam er nach Sylt, zunächst ins Kindererholungsheim Haus Vogelkoje. Vier Jahre später wechselte er zur Gemeinde.
Dank aus dem Rathaus
Bürgermeisterin Haltermann fand deutliche Worte. Bünte habe die Aufgabe „auf herausragende Weise ausgefüllt“. Mit besonderen Projekten, viel persönlichem Einsatz und einem feinen Gespür für die Anliegen junger Menschen habe er „bleibende Spuren in der Jugendarbeit unserer Insel hinterlassen“.
Pädagogik, Kultur und Mediation hat Holger Bünte auf seine ganz eigene Art zusammengebracht, und das hat die Sylter Jugendarbeit zwei Jahrzehnte lang geprägt, weit über einzelne Termine hinaus. Die Gemeinde dankt ihm und wünscht ihm für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit und viel Freude. Wir schließen uns an und vermuten: Ganz stillsitzen wird er auch jetzt nicht.
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