Machen wir uns nichts vor: Die Weltlage ist aktuell alles andere als entspannt. Die geopolitischen Erschütterungen und der Krieg haben Schockwellen ausgelöst, die bis an unseren friedlichen Flutsaum rollen. An der Zapfsäule reibt man sich ohnehin schon länger verwundert die Augen, aber der Dominoeffekt geht weit darüber hinaus.
Wer in diesen Tagen über die Insel flaniert, merkt schnell: Eigentlich ist gerade alles teurer geworden. Der Handwerker wartet wochenlang auf exorbitant teures Baumaterial, um das Reetdach-Haus in Keitum zu sanieren. Der Bäcker muss für das Energie-intensive Anheizen seiner Öfen und das knapper gewordene Weizenmehl tiefer in die Tasche greifen (was sich unweigerlich im Preis für das geliebte Franzbrötchen niederschlägt). Und selbst der Fisch für das legendäre Sylter Krabbenbrötchen schwimmt nicht von allein an Land, sondern wird von Kuttern gefangen, deren Dieselrechnungen sich mal eben verdoppelt haben. Wenn die Transport- und Energiekosten durch die Decke gehen, spürt das am Ende die gesamte Insel-Infrastruktur.
Die faire Reaktion auf raue See
In genau diese stürmischen Gewässer ist nun auch unsere geliebte Rømø-Sylt Linie geraten. Aufgrund der signifikant gestiegenen Treibstoffkosten kommt die Flotte nicht umhin, ab sofort einen temporären Treibstoffzuschlag zu erheben. Wer mit dem PKW, dem Wohnmobil, dem Bus oder dem Motorrad übersetzt, zahlt 4,00 Euro mehr. Für Einzelfahrer ohne Fahrzeug sind es bescheidene 50 Cent. Wer sein Ticket schon vor dem 26. März 2026 gebucht hat, für den ändert sich gar nichts.
Ein Aufschrei? Völlig unangebracht. Schauen wir uns die Sache doch mal mit der typischen Sylter Gelassenheit an.
Erstens: Die Reederei spielt mit absolut offenen Karten. Der Zuschlag wird monatlich überprüft und angepasst. Sobald sich die Lage an den globalen Märkten normalisiert, verschwindet auch der Aufschlag wieder. Das nennt man transparentes Wirtschaften, um in herausfordernden Zeiten überhaupt verlässlich auf Kurs bleiben zu können.
Zweitens – und das ist der entscheidende Punkt: Setzen wir diese 4,00 Euro doch mal in Relation. Für vier Euro bekommt man auf der Whiskymeile in Kampen vielleicht ein halbes Glas Mineralwasser. Hier aber investiert man sie in Lebensqualität.
Der Urlaub beginnt auf dem Oberdeck
Die Fahrt mit der Fähre ist und bleibt die mit Abstand schönste, romantischste und entspannteste Art, unsere Insel zu erreichen. Während man beim Autozug oft hofft, nicht zwischen zwei Wohnwagen eingeklemmt das Rücklicht des Vordermanns anstarren zu müssen, beginnt der Urlaub auf der Fähre mit dem Moment, in dem man die Handbremse zieht.
Man steigt aus, geht aufs Freideck, lässt sich den Wind durch die Haare pusten und schmeckt das Salz auf den Lippen. Man gönnt sich den obligatorischen dänischen Hotdog im Bordbistro, schaut auf das glitzernde Wattenmeer hinaus und sieht den Ellenbogen am Horizont langsam näher kommen. Keine Hektik, kein Stau, nur die pure Vorfreude auf die Insel.
Wenn diese kleine nautische Auszeit, die den Urlaub um eine wunderschöne Stunde Seefahrt verlängert, nun pro Auto vier Euro mehr kostet, um die Schiffe am Laufen zu halten – dann zahlen wir diesen Solidaritätsbeitrag für ehrliche Schifffahrt doch wirklich gerne aus der Portokasse. Gute Fahrt!
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