Verlassene Orte auf Sylt – Das Cafe Waldidyll
Verlassene Orte auf Sylt – Das Cafe Waldidyll
Verwunschen liegt er da. Der Friedrichshain im Norden von Westerland.
Wenn der Wind richtig steht, vermischt sich das Rauschen der Wellen in der Ferne mit den Baumwipfeln. Mitten im Wald steht ein altes Haus. Es muss 1975 gewesen sein, als meine Großeltern ihre „Goldene Hochzeit“ feierten. Vielleicht war es auch die „Silberne“. Ich weiß es nicht mehr. Aber ich weiß, dass meine Familie im Cafe Waldidyll gefeiert hat. Wie bei jedem runden Geburtstag, jeder Taufe oder anderen Festen, bei denen die Familie zusammenkam. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich in den letzten Jahren nie wieder in diesem letzten Stück Gastro-Romantik der Insel zu Besuch war.
Ich erinnere mich an Vitrinen voller leckerer Kuchen und an die typische Bestuhlung eines Wiener Kaffeehauses. Für die Kinder war es natürlich langweilig, und man wartete darauf, dass die Erwachsenen einen von der Kaffeetafel entließen…
Wenn man abends durch den Friedrichshain lief, hörte man den Hund des Wirtes anschlagen. Alle dachten, die Bestie von Baskerville aus dem Edgar-Wallace-Film sei ein Schoßhund dagegen. Doch bei genauer Betrachtung war es einer dieser immer etwas traurig dreinblickenden Hush Puppys, ein Basset Hound, der klang wie ein kaputtes Nebelhorn. Näherte man sich dem Grundstück, schlug der niedliche kleine Racker an. Im Hintergrund lauerten dann tatsächlich zwei Rottweiler – oder waren es Dobermänner? Lange ist es her. Die älteren Insulaner genossen dort über Jahrzehnte Kaffee und Kuchen. Ein Hauch von Melancholie webt sich durch die Baumkronen, trägt jedoch gleichzeitig die Erinnerungen an lachende Gesichter und wärmende Gespräche.
Nun ist es verlassen. Der 85-jährige Betreiber Mustafa Diribas und seine Frau sind in den Ruhestand getreten. Auch das Haus ist in die Jahre gekommen. Wie so viele alte Häuser auf der Insel hat auch diesem kleinen Hexenhäuschen die Witterung zugesetzt. Eine Renovierung wird es kaum geben. Die Bausubstanz dürfte es nicht mehr hergeben. Der Eigentümer, die Gemeinde Sylt, ist nun gefordert, neue Impulse zu geben. Wir sind gespannt, was dort entstehen wird.
Viele weitere geheimnisvolle und legendäre Orte beschreiben wir in unserem Buch, das Anfang Dezember erscheinen wird. Lost Places – Geheimnisse einer Insel.
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