Sylt News
Überlebenskampf an der Fleischtheke: Der große Realitätscheck für Hamsterkäufer
Es ist schon faszinierend zu beobachten: Kaum kündigt der Wetterbericht für Norddeutschland ein wenig „Püstigkeit“ und drei Schneeflocken an, erwacht in den Supermärkten zwischen Husum und Niebüll der archaische Überlebensinstinkt. Man könnte fast meinen, die nächste Eiszeit stünde unmittelbar bevor und nicht bloß ein ganz normaler Januar-Wintereinbruch.
In den Gängen der Märkte auf dem Festland spielen sich Szenen ab, die man sonst nur aus Katastrophenfilmen kennt. Da wird der Einkaufswagen zur gepanzerten Vorratseinheit umfunktioniert. Besonders das frische Gemüse scheint plötzlich als die einzige Währung zu gelten, die uns durch die kommenden drei Zentimeter Neuschnee rettet. Wer braucht schon Streusalz, wenn er fünf Kilo Paprika und drei Kisten Zucchini im Keller bunkern kann?
Dass die Regale bei Brot und Fleisch teilweise so leer gefegt sind wie der Westerländer Strand bei Orkanstärke, ist fast schon rührend. Es ist diese typisch norddeutsche Sorge: „Wenn das Auto erst mal eingeschneit ist – also die Reifen leicht weiß bestäubt sind – dann verhungern wir qualvoll vor dem Fernseher.“ Da wird vorsichtshalber das halbe Kühlregal evakuiert, als gäbe es ab übermorgen keine Logistik mehr über den Hindenburgdamm oder über die Landstraßen.
Dabei wissen wir doch eigentlich alle: Es wird ein bisschen windig, es wird ein bisschen weiß, und ja, man muss vielleicht mal die Mütze etwas tiefer ins Gesicht ziehen. Aber diese liebevolle Panik, die dazu führt, dass man sich um das letzte Pfund Gehacktes duelliert, nur weil die Quecksilbersäule unter die Nullmarke rutscht, ist doch eigentlich die schönste Bestätigung dafür, dass wir im Grunde alle kleine Optimisten sind – wir glauben nämlich fest daran, dass wir die Zeit bis zum Tauwetter nur mit Bergen von Toastbrot überstehen können.
| Tag | Wetterlage | Windstärke | Schneehöhe (geschätzt) | Brotration |
| Freitag | Erst bewölkt, dann zunehmend böig | 5-6 Bft | 0,5 cm | Ein halbes Graubrot |
| Samstag | „Großer“ Wintereinbruch | 7 Bft (böig) | ca. 2-3 cm | Ein ganzes Kastenbrot |
| Sonntag | Kaltes Vergnügen bei Sonnenschein | 4 Bft | Frostig, kaum Neuschnee | Knäckebrot-Reste |
Die „Sylt-Spezial-Regel“: Pro Windstärke über 6 sollte man sicherheitshalber ein zusätzliches Brötchen einplanen – falls der Gegenwind auf dem Heimweg so stark ist, dass man unterwegs eine spontane Stärkung braucht. Bei 3 cm Neuschnee am Samstag darf es dann schon das ganze Kastenbrot sein. Man weiß ja nie, ob die Haustür bei dieser gewaltigen Schneelast überhaupt noch aufgeht. Zur Not kann man sich mit den Brotscheiben den Weg zum Auto freifächern.
Ein kleiner Realitätscheck für Hamsterkäufer
Es ist ja wirklich rührend, wie in Niebüll und Leck die Fleischtheken leergefegt werden, als müssten wir uns für den Rest des Winters im Keller verbarrikadieren. Aber keine Sorge: Auch wenn es auf Sylt ein wenig weiß wird, die Züge fahren meistens und die Straßenreinigung ist auf die zwei Zentimeter Puderzucker bestens vorbereitet.
Wer heute vor leeren Gemüseregalen steht, kann sich trösten: Paprika und Zucchini halten bei dem Wetter auf dem Balkon ohnehin länger frisch als im überfüllten Kühlschrank – vorausgesetzt, der Wind weht sie nicht direkt rüber nach Amrum.




