Und doch tut sich gerade einiges in RantuIn Rantum entsteht Sylts nächster Hotspot – und der Insel Sylt Tourismus-Service hat daran mehr Anteil, als man auf den ersten Blick sieht.Einige Orte auf Sylt springen einen direkt an. Rantum gehört nicht dazu. Rantum muss man mögen lernen. Das Dorf zwischen den Meeren, misst an seiner schmalsten Stelle keine sechshundert Meter – links die wilde Nordsee mit sieben Kilometern feinstem Sandstrand, rechts das stille Wattenmeer, dazwischen Reetdächer, Dünen und ein kleiner, unaufgeregter Segelhafen. Wer hier ankommt, ist selten aus Versehen da.m. So viel, dass man das Bild vom schlafenden Riesen kaum vermeiden kann: Rantum reibt sich die Augen.
Ein Dorf, das sechsmal von vorn anfing
Man sollte die Geschichte dieses Ortes kennen, um zu verstehen, warum das etwas bedeutet. Rantum ist ein Dorf mit einer außerordentlich wechselhaften Vergangenheit. Sechsmal, so erzählt man auf der Insel, musste es im Lauf der Jahrhunderte komplett neu errichtet werden – weil Sturmfluten es fortrissen oder weil die Wanderdünen es schlicht unter sich begruben. Häuser verschwanden im Sand, ganze Straßenzüge wanderten weiter. Später kam das Rantumbecken dazu, einst als Flugbootbasis angelegt, heute eines der eindrucksvollsten Vogelschutzgebiete des Landes.
Ein Ort, der sechsmal neu angefangen hat, kennt keine Angst vor Veränderung. Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum das, was gerade rund um Tourismusbüro und Kursaal passiert, so selbstverständlich wirkt.
Der ISTS baut aus – und denkt dabei an die Kleinsten
Im Zentrum dieser Entwicklung steht der Insel Sylt Tourismus-Service. In der Strandstraße 35 sitzt die Tourist-Information, im ersten Stock des Congress Centrum Sylt liegt der Kursaal Rantum: bis zu 265 Quadratmeter flexible Fläche, 199 Plätze in Reihenbestuhlung, eine 30 Quadratmeter große Bühne, Tageslicht, Parkett, barrierefrei erschlossen. Ein Saal, der Theater, Kabarett und Konzerte ebenso trägt wie Tagungen und Kongresse – und der in den vergangenen Monaten spürbar voller geworden ist.
Der ISTS hat die Gästebetreuung in Rantum konsequent ausgebaut, und zwar nicht nur für die, die Programmhefte lesen. Das vielleicht schönste Beispiel dafür entsteht gerade im Freien, zwischen Abbys Food & Friends und der künftigen Pizzeria: ein Piratenschiff aus hellem Holz, mit roter Rutsche, gekaperter Flagge am Mast und einem zweiten, angedeuteten Wrack daneben, das aussieht, als wäre es eben erst gestrandet. Ringsum Sand, ein Delfin als Federwippe, Findlinge als Sitzgelegenheiten. Noch steht ein Bauzaun darum, noch ist es Baustelle – aber es ist längst das Gesprächsthema im Dorf.
Und es ist mehr als ein Spielplatz. Es ist eine Haltung. Denn nun wird auch für die kleinen Gäste gesorgt, während sich die Eltern nebenan ein glutenfreies Stück Kuchen oder eine Pizza gönnen. Wer schon einmal mit einem vierjährigen Piraten Urlaub gemacht hat, weiß, dass genau darin der Unterschied zwischen einem netten Nachmittag und einem entspannten Nachmittag liegt. Auch die Ebike Vermietung in Rantum ist Saison für Saison belebter.
Abbys: Wo aus der alten Kurverwaltung ein Wohnzimmer wurde
Abbys Food & Friends ist in diesem Gefüge so etwas wie das gute Herz. Das Café hat sich in den geschmackvoll sanierten Räumen der früheren Kurverwaltung eingerichtet – schon dieser Umstand erzählt eine kleine Geschichte darüber, wie Tourismus und Gastronomie hier zusammenwachsen.
Das Konzept ist konsequent: Ins Regal und auf den Teller kommt nur, was mindestens drei von fünf Kriterien erfüllt – frei von bestimmten Zutaten, aus Familienbetrieben, biologisch oder natürlich erzeugt, regional aus Norddeutschland, ohne künstliche Aromen und Konservierungsstoffe. Der Schwerpunkt liegt auf glutenfreiem Genuss, und zwar nicht im Sinne von Verzicht, sondern im Sinne von: endlich mal wieder ein Stück Kuchen, das nach Kuchen schmeckt. Täglich frisch gebacken. Dazu Herzhaftes, Flammkuchen-Varianten, Kartoffelgerichte, Salate.
Wie sehr das ankommt, lässt sich schlicht an der Frequenz ablesen. Das Abbys wird deutlich stärker besucht als noch vor einiger Zeit – an manchen Nachmittagen ist die Sonnenterrasse das lebendigste Stück Rantum. Und das Haus ruht sich darauf nicht aus: Das Spanferkelessen oder auch der kleine Shop im Restaurant sind sehr beliebt.
Summer Wines mit einem der besten Sommeliers des Landes
Das Highlight des Sommers aber trägt einen Namen, der nach Ferien klingt: Abby’s Summer Wines. Am Samstag, 16. August 2026, ab 18.30 Uhr, gibt es ein Sechs-Gänge-Menü mit sechs korrespondierenden Weinen – 139 Euro pro Person, Reservierung unter 04651 46 79 440.
Durch den Abend führt Nils Lackner, und wer den Namen auf Sylt noch nicht gehört hat, wird ihn sich merken. Lackner zählt zu den Top 50 Sommeliers Deutschlands, lebt seit 2015 auf der Insel und hat hier ein kleines Universum kulinarischer Erlebnisse aufgebaut: Weinbergstouren durch Deutschlands nördlichste Reben rund um Keitum, bei denen der nördlichste Sekt des Landes ebenso ins Glas kommt wie die Sylter Weine „Sölviin“ und „Söl’ring“, dazu eine nordische Jause mit Friesenbrot, Käse und Sylter Meersalz. Er verkostet auf Kuttern, er führt durch Gin-Abende, er ist Markenbotschafter für Sylter Royal – und als Austernspezialist der Oyster Master Guild einer von nur zwei Europäern auf seinem Zertifizierungslevel.
Vor allem aber ist Lackner jemand, der Wein erklärt, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Norddeutscher Charme, Humor, gute Geschichten. Genau die Mischung, die aus einem Weinabend einen Abend macht, über den man noch im Herbst spricht.
Und im September kommt die Pizza
Der nächste Baustein steht schon bereit: Im September eröffnet die Pizzeria Piccolino, direkt neben dem entstehenden Piratenschiff. Damit fügt sich das Bild. Kaffee und Kuchen am Nachmittag, Pizza am Abend, dazwischen ein Schiff für die Kinder, gegenüber ein Kursaal voller Programm, und über allem ein Tourismusbüro, das nicht verwaltet, sondern gestaltet.
Es entsteht ein zweiter Hotspot neben dem Hafengebiet – nicht laut, nicht überkandidelt, sondern so, wie Rantum eben ist: erst leise, dann plötzlich unübersehbar. Auch im Hafengebiet tut sich einiges. In der Syltquelle hat sich mit dem Cafe do Brasil ebenfalls ein neuer Gastronom angesiedet. Gleich um die Ecke liegt Strandkörbe Sylt, Currywurst de luxe, der Sansibar Store und natürlich die Kaffeerösterei Sylt.
Wie Tourismusarbeit heute funktioniert
Man kann an diesem kleinen Rantumer Ensemble ganz gut ablesen, wie zeitgemäße Tourismusarbeit aussieht. Nicht als Behörde, die Kurbeiträge einsammelt und Programmzettel verteilt, sondern als Partner. Der ISTS stellt den Rahmen – Saal, Information, Infrastruktur, jetzt auch den Spielplatz –, und die Gastronomie füllt ihn mit Leben. Abbys liefert den Ort, an dem man sitzen bleiben mag. Die Pizzeria bringt den Abend. Der Kursaal bringt die Bühne. Und weil alle miteinander statt nebeneinander planen, entsteht am Ende mehr als die Summe der Teile: ein Dorfmittelpunkt, an dem sich Einheimische und Gäste gleichermaßen wohlfühlen.
Der Erfolg gibt dem ISTS recht. Die Zahlen im Abbys sprechen dafür, die Auslastung im Kursaal auch, und die Neugier, mit der halb Rantum an diesem Bauzaun stehen bleibt, erst recht.
Der schlafende Riese ist noch nicht ganz wach. Aber er hat sich aufgesetzt, schaut sich um – und irgendjemand hat ihm gerade ein Piratenschiff vor die Tür gestellt.
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