Halloween auf Sylt? Jo.
Morgen klingelt es wieder. Draußen steht dann ein kleiner Vampir aus Tinnum, neben ihm eine Hexe mit Gummistiefeln, dahinter eine Mutter mit Handy. „Süßes oder Saures!“, ruft der Vampir. Der Friese öffnet die Tür, schaut, nickt und sagt: „Jo.“ Dann gibt er ein Gummibärchen raus. Eins. Man will ja nicht übertreiben.
Halloween ist, das muss man an dieser Stelle einmal ruhig festhalten, nicht von hier. Die Kelten haben es erfunden, die Iren mitgenommen, die Amerikaner aufgeblasen, und 1991 hat es die deutsche Kostümindustrie eingeführt, weil der Karneval ausgefallen war. Das ist eine lange Reise für ein Fest, das am Ende in Westerland vor einem Klinkerhaus steht und auf Lakritz hofft.
Der Friese hat das alles zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Er hat schon ganz andere Dinge vom Festland kommen sehen: Brunch, Aperol Spritz, Menschen, die „Sylti“ sagen. Halloween hat er geschluckt wie den Ostwind im Februar. Nützt ja nix.
Und überhaupt: Verkleidet von Tür zu Tür ziehen und Süßes fordern, das haben wir hier oben schon gemacht, als in Amerika noch keiner wusste, wie man Kürbis buchstabiert. Das heißt bei uns Rummelpottlaufen und findet an Silvester statt, bei Wind, mit Gesang und ohne Plastikspinnen im Vorgarten. Die Kinder mussten früher noch etwas leisten für ihre Süßigkeiten. Heute reicht ein Umhang von Temu und ein vorwurfsvoller Blick.
Dazu kommt: Der 31. Oktober ist in Schleswig-Holstein seit ein paar Jahren Reformationstag und damit Feiertag. Martin Luther hat 1517 Thesen an eine Kirchentür genagelt. Morgen hängt an der Tür ein Gummiskelett. Man kann darüber streiten, was der größere Fortschritt ist.
Und unser eigenes Feuerfest? Das Biikebrennen im Februar. Da stehen wir abends am Feuer, ein riesiger Haufen brennt, es ist kalt, es gibt Grünkohl, und alle sind sehr zufrieden. Ohne Kostüm, ohne Kunstblut, ohne Kürbis mit Gesicht. Wer echtes Gruseln will, soll einfach im Februar ohne Mütze zur Biike gehen.
Trotzdem, und das sei ausdrücklich gesagt: Gegen die Kinder hat hier keiner was. Die sollen ruhig klingeln. Der Friese freut sich insgeheim sogar, er zeigt es bloß nicht. Er stellt eine Schale an die Tür, und wenn die leer ist, ist die Schale leer. So einfach ist das.
Wer also morgen bei mir klingelt, bekommt etwas. Ich mache die Tür auf, gucke mir das Kostüm an und sage den Satz, der auf dieser Insel seit Jahrhunderten alles abdeckt, Begeisterung wie Entsetzen:
„Jo. Kann man machen.“
Unsere Partner
Mehr aus Sylt News alle Beiträge

Drei statt einer: Verstärkung für die Museumsleitung
Seit 1. Oktober unterstützen Elmar Kruse und Hendrikje Hops den Leiter der Sölring Museen, finanziert von zwei …

Jürgen Gosch erhält auf Sylt den Mittelstandspreis für sein Lebenswerk
– und der erste Aalkorb steht vielleicht noch auf dem Dachboden Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion ehrt den …

Inselduell unter Flutlicht: Team Sylt gegen SC Norddörfer
Das Sylter Sportwochenende vom 30. Oktober bis 1. November 2026: Am Freitag das Derby der A-Jugend, am Samstag …

Sylter Wintermarkt 2026: Warum er für uns immer der Weihnachtsmarkt bleibt
Ab dem 4. Dezember leuchtet die Neue Mitte in Westerland wieder. Offiziell heißt das Ganze Wintermarkt. Wer auf …

































