„Ein Teil von mir“: Renate Höfts stille Bilder in der Alten Post
Es ist auffallend ruhig in der Stadtgalerie „Alte Post“ in Westerland. Achtzehn großformatige Arbeiten in Öl und Acryl hängen an den Wänden, alle in gedeckten Tönen, alle mit einem Licht, das von irgendwo im Dunkeln herkommt. Renate Höft nennt ihre Ausstellung „Ein Teil von mir“, und dieser Titel ist wörtlich zu nehmen.
Denn wer die Bilder betrachtet, begegnet immer derselben Frau: Johanna, der Tochter der Künstlerin. Sie steht seit Jahren Modell, und der Weg zum Gemälde beginnt nicht an der Leinwand, sondern im Fotostudio. „Das Foto ist die neue Skizze“, sagt Renate Höft. Belichtung, Haltung, Kleidung – sie legt alles fest und malt danach. Vor neun Jahren entstanden die ersten Arbeiten dieser Reihe; in Westerland hängen die Werke der letzten sechs Jahre.
Spannend wird es, wenn die Künstlerin erzählt, wie ihre Bilder beim Publikum ankommen. Männer, sagt sie, empfänden die Motive oft als traurig. Frauen dagegen nicht. Die erkennen sich in den Figuren wieder. Es ist dasselbe Bild, aber offenbar nicht dieselbe Erfahrung.
Eine Erklärung dazu liefert Renate Höft ausdrücklich nicht. „Ich weigere mich, Interpretation zu liefern, ich habe da gar kein Sendungsbewusstsein“, sagt sie. „Es berührt mich, wenn Leute von den Bildern berührt werden.“ Auch die Farben sind kein Konzept, sondern Charakter: „Ich bin niemand, der mit schreienden Farben unterwegs ist, und deswegen kann ich auch nicht so malen.“
Zur Kunst kam sie früh, hauptberuflich ging sie einen anderen Weg: als Redakteurin bei Zeitungen und Verlagen. Seit zwanzig Jahren lebt sie mit ihrer Familie auf Sylt und in der Nähe von Hamburg, und sie ist Mitglied bei den Sylter Kunstfreunden, in deren Galerie sie nun ausstellt.
Wer ein Bild mitnehmen möchte, findet bei den kleineren Motiven den günstigeren Einstieg, die Großformate liegen entsprechend höher. Bleibt eine Frage, die sich beim Rundgang fast von selbst stellt: Was bekommt eigentlich das Modell? Ein Bild werde sie ihrer Tochter malen, sagt Renate Höft. Und dass Johanna nicht unbedingt erfahren müsse, dass die anderen verkauft werden. Das spare Geld. Man darf annehmen, dass die Tochter inzwischen im Bilde ist.
Zu sehen ist „Ein Teil von mir“ noch bis zum 27. September, täglich von 11 bis 17 Uhr, in der Stadtgalerie „Alte Post“ in Westerland.
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