Das Rote Kliff: Sylts ältestes Wahrzeichen hat schon 1584 auf Seekarten posiert
Rund 30 Meter hoch, rotbraun und aus der Eiszeit: Das Kliff zwischen Wenningstedt und Kampen war Orientierungspunkt für Seefahrer, lange bevor es auf Postkarten kam.
Bevor Sylt ein Sehnsuchtsort für Urlauber wurde, war die Insel vor allem eines: ein Hindernis, an dem man als Schiff besser nicht hängen blieb. Wer vor der Westküste segelte, brauchte Orientierung. Und die bot ein Abschnitt der Küste, der bei Tageslicht nicht zu übersehen war. Das Rote Kliff.
Ein Influencer der Frühen Neuzeit
Schon auf niederländischen Seekarten aus den Jahren 1584 und 1585 ist das Kliff eingezeichnet. Der Kartograf Lucas Janszoon Waghenaer nannte es „Roet Kliff“. Damit war es über 400 Jahre lang ein fester Bezugspunkt für Seefahrer. Exklusiv war der Name allerdings nicht: Auch an anderen Küsten, etwa bei Stavoren in Friesland, gab es ein „Rotes Kliff“. Das Sylter ist aber das bekannteste geblieben.
Wo es liegt
Das Rote Kliff liegt an der Westküste zwischen Wenningstedt und Kampen. Es beginnt südlich des Parkplatzes Risgap in Wenningstedt und endet auf Höhe des Hauses Kliffende auf der Kampener Westheide. Gleich nördlich davon erhebt sich die Uwe-Düne. Sie ist mit rund 52,5 Metern der höchste Punkt der Insel, gehört aber nicht zum Kliff: Die Uwe-Düne ist eine Düne aus nacheiszeitlichem Sand.
Warum es rot ist
Das Kliff ist rund 30 Meter hoch und besteht aus Ablagerungen der Saale-Eiszeit, die vor etwa 120.000 Jahren entstanden sind. Nach der Eiszeit stieg der Meeresspiegel, und die Brandung nagte am alten Geestkern der Insel. Zurück blieb eine steile Kante.
Die namensgebende Farbe stammt aus dem Geschiebelehm. Er enthält Eisen, das an der Luft oxidiert ist. Das Kliff ist also, etwas unromantisch gesagt, eingerostet. Wer genau hinschaut, findet darin Feuerstein und Gesteine wie Rhombenporphyr und Rapakivi-Granit. Sie verraten, woher das Material kommt: Die Gletscher haben es aus Skandinavien mitgebracht.
Das Meer nimmt sich, was es will
So stabil das Kliff aussieht, so verletzlich ist es. Bei den Sturmfluten von 1862, 1881 und 1928 brachen jeweils mehrere Meter ab. Der Orkan Anatol riss Ende 1999 große Stücke heraus. Seit Ende der 1970er-Jahre wird am Weststrand in großem Umfang Sand vorgespült, um den Landverlust zu bremsen. Das hat eine Nebenwirkung: In Wenningstedt ist das Kliff inzwischen über weite Strecken von Dünen mit Strandhafer bedeckt und gar nicht mehr zu sehen.
Seit 1979 steht die Fläche oberhalb des Kliffs, zwischen dem Ortsrand von Wenningstedt und dem Weststrand, unter Naturschutz. Das Schutzgebiet ist 177 Hektar groß.
Der beste Moment
Ein Spaziergang oben am Kliff entlang gehört zu den schönsten Wegen der Insel. Am besten am späten Nachmittag, wenn die tief stehende Sonne die Wand noch etwas röter färbt. Bitte auf den Wegen bleiben: Das Kliff hat in seiner Geschichte schon genug abgegeben.
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