Es hätte ein Abend zum Feiern werden können. Lange sah es auch danach aus. Westerland reiste nach Mildstedt, spielte über weite Strecken guten Handball und hatte das Spiel fest in der Hand – und fuhr am Ende trotzdem ohne Punkte nach Hause. Das tut weh, besonders weil es sich vermeidbar angefühlt hat.
Die erste Hälfte gehörte weitgehend den Gästen. Nach dem frühen Rückstand zum 0:1 fand Westerland schnell in die Partie, baute Druck auf und zog bis zur Pause auf 18:12 davon. Das Angriffsspiel lief flüssig, die Außenspielerinnen wurden gut in Szene gesetzt und nutzten ihre Chancen. Jana Petersen und Nadja Middeke sorgten immer wieder für Tempo, Shaira Carmen Barth bot sich am Kreis clever an. Kurz: Es war ein erster Durchgang, auf den man aufbauen wollte.
Nach der Pause lief es zunächst weiter nach Plan. Der Vorsprung wuchs auf 24:20, und der Sieg schien nur noch Formsache. Doch dann kippte die Partie – und zwar nicht nur wegen der Gegnerinnen.
In der 50. Minute sah Jana Petersen Rot, drei Minuten später erwischte es Glenna Chiara Zilz. Zwei wichtige Spielerinnen, innerhalb weniger Minuten vom Feld. Mildstedt nutzte die Überzahl konsequent, kämpfte sich ran, glich aus und drehte das Spiel in der Schlussminute. Dass Westerland in dieser heißen Schlussphase zweimal vom Siebenmeterpunkt scheiterte, machte es nicht leichter.
Zur Schiedsrichterleistung lässt sich schwer schweigen. Das Spiel wurde in der zweiten Halbzeit körperlicher, und es gab Szenen, in denen man sich eine klarere Linie gewünscht hätte – in beide Richtungen. Ob die roten Karten in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt angemessen waren, bleibt zumindest diskussionswürdig. Bemerkenswert ist, dass auch Spielerinnen des Gastgebers die Entscheidungsführung des Abends nicht durchweg positiv sahen. Ein Schiedsrichter hat in hitzigen Phasen auch die Aufgabe zu deeskalieren – das wäre an diesem Abend an der einen oder anderen Stelle hilfreicher gewesen als das, was zu sehen war.
Einen besonderen Moment gab es trotzdem, den man festhalten sollte: Martha Gersteuer stand heute im Tor, obwohl sie eigentlich auf der Außenposition zu Hause ist. Was sie dort geleistet hat, war beeindruckend. Sie hat das Team lange im Spiel gehalten und Bälle pariert, die niemand von ihr in dieser Rolle erwartet hätte. Das verdient eine eigene Erwähnung.
Westerland steht nach 12 gespielten Partien auf Platz 2 – mit 17:7 Punkten, direkt hinter Tarp/Wanderup 3 (19:7 Punkte aus 13 Spielen). Bredstedter TSV 3 folgt auf Platz 3 mit ebenfalls 17 Punkten, hat aber bereits 14 Spiele absolviert. Westerland hat also ein Spiel weniger auf dem Konto und damit noch echte Chancen, die Tabelle zu seinen Gunsten zu gestalten. Die Ausgangslage ist nach wie vor gut – auch wenn die Niederlage in Mildstedt natürlich ein Rückschlag ist.
Das Restprogramm umfasst noch vier Partien: Am 11. April geht es auswärts nach Sieverstedt – ein Gegner, den Westerland zu Hause bereits souverän mit 44:27 bezwungen hat. Am 16. April kommt HSG SZOWW 3 nach Tinnum, gegen die Westerland das Hinspiel mit 24:29 verloren hat – also mit Revanchecharakter. Am 18. April folgt das Heimspiel gegen Bredstedter TSV 3, Hinspiel 22:22. Den Abschluss macht am 25. April das Auswärtsspiel bei DGF Flensborg, nach der knappen Heimniederlage zuletzt sicher kein einfaches Spiel. Drei Heimspiele in diesen letzten vier Partien sind in jedem Fall ein Vorteil.
In der Frauen Kreisklasse Nord 1 steigt traditionell der Meister direkt in die Kreisoberliga Nord auf – und genau das ist das erklärte Ziel. Ob in diesem Jahr auch der Vizemeister aufsteigt oder eine Aufstiegsrunde angesetzt wird, hängt von der Staffelgröße der Kreisoberliga Nord ab und sollte beim Verband nachgefragt werden. Klar ist: Westerland ist mitten drin im Rennen. Tarp muss ebenfalls gegen die starken Flensburgerinnen ran und gegen die zweimal gegen Schleswig spielen.
Die Kreisoberliga Nord ist die nächsthöhere Spielklasse, in der zum Beispiel TSV Mildstedt 1 in dieser Saison antritt. Ein Blick in deren Spielplan zeigt, wohin die Reisen dann gehen würden – Rendsburg, Owschlag, Fockbek, Westerrönfeld. Strecken, die von Sylt aus deutlich mehr Planung und Aufwand bedeuten als die heutigen Fahrten nach Mildstedt oder Flensburg. Für eine Inselmannschaft ist das keine Kleinigkeit – aber es wäre eben auch ein Zeichen dafür, dass man eine Liga höher angekommen ist. Und dieser Schritt sieht nach dem bisherigen Saisonverlauf absolut machbar aus.
Ähnliche Beiträge:
Sylter Sportspiegel – Siege, Niederlagen, Rekorde für die Ewigkeit und eine Bundesligapremiere
Eine Ära geht zu Ende: Lars Schnittgard verlässt nach 26 Jahren die Kommandobrücke des Sylter Handballs – Ausblick Saison 25/26
Neue Kurse zum Umgang mit Demenz in Mildstedt und Westerland
Sylter Sport am Wochenende – Große Siege und bittere Niederlagen

