Eine andere Art von Pendlern: 441 Privatjet-Flüge von Hamburg nach Sylt
Die einen nehmen den Autozug, die anderen die Marschbahn, und manche fliegen einfach rüber: 441 Mal kam zwischen 2023 und 2025 ein Privatjet von Hamburg nach Sylt. Robin Wood möchte das am Hamburger Flughafen verbieten.
Hamburg/Sylt. Sylt ist eine Pendlerinsel. Morgens stehen Handwerker, Pflegekräfte und Verkäuferinnen auf dem Autozug-Terminal in Niebüll, in der Marschbahn wird Kaffee balanciert und auf die Durchsage zum Anschluss gewartet. Und dann gibt es noch eine andere Sorte Pendler: die, die einfach rüberfliegen. 441 Mal ist zwischen 2023 und 2025 ein Privatjet von Hamburg nach Sylt gestartet.
Das hat das niederländische Institut CE Delft im Auftrag der Umweltorganisation Robin Wood gezählt. Vorgestellt wurde die Studie am 29. Oktober in Hamburg. Beliebter war ab Hamburg nur ein einziges Ziel: Palma de Mallorca, mit 448 Flügen. Sylt verpasst den ersten Platz also nur knapp, sozusagen um eine Woche Hochsaison.
Gleicher Weg, anderes Tempo
Am Ende wollen alle dasselbe: auf die Insel, an den Strand, zum Termin oder ins Ferienhaus. Die einen stehen dafür in der Autozug-Schlange, die anderen hören in Niebüll, dass der Anschluss heute leider entfällt. Und die dritte Gruppe steigt in Hamburg ein, schaut kurz auf Wattenmeer und Hindenburgdamm hinunter und landet kurz darauf in Westerland. Gepäck verstauen, Brötchen holen, fertig.
Robin Wood weist darauf hin, dass Sylt ab Hamburg auch direkt mit dem Zug in unter dreieinhalb Stunden erreichbar ist. Das stimmt. Wer allerdings regelmäßig Marschbahn fährt, weiß: Die dreieinhalb Stunden sind eher ein freundliches Versprechen als eine feste Zusage. Insofern ist die Sehnsucht nach einer pünktlichen Anreise auf Sylt nichts Exklusives. Die Jet-Pendler gönnen sie sich nur auf ihre Art.
Warum Robin Wood genau hinschaut
Der Umweltorganisation geht es um das Klima. Insgesamt zählt die Studie rund 7.000 Privatjet-Starts und -Landungen pro Jahr am Hamburger Flughafen. Ein einzelner Privatflug belastet das Klima demnach im Schnitt so stark wie ein EU-Bürger in acht Monaten.
„Die Luxus-Mobilität sehr weniger sehr wohlhabender Menschen geht zu Lasten der Allgemeinheit und des Klimas“, sagt Merle Riebandt vom Mobilitäts-Team bei Robin Wood. Die Organisation fordert deshalb, Privatjets am Hamburger Flughafen Starts und Landungen zu untersagen. Entscheiden könnte das die Stadt Hamburg, der die Mehrheit am Flughafen gehört. Als Vorbild nennt Robin Wood den Flughafen Eindhoven in den Niederlanden, der seit Januar 2026 keine Privatjets mehr zulässt.
Und Sylt?
Für die Insel ist die Studie erst einmal eine Zahl, kein Beschluss. Ob es ein Verbot gibt, wird in Hamburg entschieden, nicht in Westerland. Eine Stellungnahme des Hamburger Flughafens enthält die Mitteilung von Robin Wood nicht. Öffentlich diskutiert wird das Thema am 30. November ab 19 Uhr bei einer Podiumsdiskussion im Vortragssaal der Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg, unter anderem mit der Umweltrechtlerin Roda Verheyen und einem Vertreter des Flughafens.
Bis dahin gilt auf Sylt das, was hier immer gilt: Wer ankommt, ist willkommen. Ob mit dem Autozug, der Marschbahn, der Fähre aus Rømø oder mit dem Flugzeug. Pendler sind sie am Ende alle, nur eben in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.
Quellen: Robin Wood (Pressemitteilung vom 29. Oktober 2026, Studie von CE Delft im Auftrag von Robin Wood)
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