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Manja legt nach: Sylt im zweiten Sturm des Wochenendes

Sturmflut Sylt
Foto: Redaktion
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Erst kam Luise, jetzt kommt Manja. Die Nordsee hat für das letzte Oktoberwochenende ein Doppelprogramm gebucht, und Nordfriesland sitzt in der ersten Reihe.

Der Sonntag beginnt auf Sylt mit einer amtlichen Unwetterwarnung. Für Helgoland und den Küstenbereich des Kreises Nordfriesland galt von 0 bis 6 Uhr eine Warnung vor orkanartigen Böen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete mit Böen zwischen 90 und 110 Kilometern pro Stunde, in exponierten Lagen und bei Schauern mit einzelnen Orkanböen um 120 km/h. Exponierte Lage ist auf Sylt bekanntlich so ziemlich alles, was keine Hauswand im Rücken hat.

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Danach wird es nur auf dem Papier ruhiger. Von 6 bis 13 Uhr gilt eine markante Warnung vor Sturmböen, von 13 bis 21 Uhr eine weitere vor schweren Sturmböen. Im Tagesverlauf dreht der Wind von Südwest auf West. Wer nachmittags am Brandenburger Strand einen Kaffee trinken will, sollte den Deckel gut festhalten.

Wer ist eigentlich Manja?

Das Tief hinter dem Sonntagssturm hat sich nordwestlich von Schottland gebildet und zieht in die Nordsee. Es folgt auf Sturmtief Luise, das sich nach Nordosten abschwächt. In einigen Medien läuft der Freitagssturm übrigens unter dem Namen „Austen“. Moin.de hatte schon am Freitag gemeldet, dass das zweite Tief an der Nordsee kräftiger ausfallen könnte als das erste. Sylt lernt an diesem Wochenende also zwei Sturmtiefs mit insgesamt drei Namen kennen.

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Dazu kommt Wasser von oben. An der Westküste Schleswig-Holsteins sind laut regionalem Warnlagebericht 30 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden wahrscheinlich. Der DWD hält außerdem einzelne starke Gewitter im Nordseebereich für möglich, begleitet von orkanartigen Böen. Immerhin bleibt es mild, die Höchstwerte liegen um 14 Grad. Nass, aber nicht kalt: die Sylter Herbstversion von Wellness.

Freiflug in der Friedrichstraße

Am Sonntagmittag liegt der Grundwind über Westerland bei 36 bis 38 Knoten, das ist Windstärke 8. In Böen geht es bis 45 Knoten hoch, also Windstärke 9 und damit offiziell Sturm. Pustig, aber machbar, sagt der Sylter. Mit einer Ausnahme: Im oberen Bereich der Friedrichstraße und der Strandstraße sowie im Durchgang am Hotel Monbijou drückt sich der Wind zwischen den Häusern zusammen und kommt deutlich kräftiger an als auf dem offenen Strand. Kinder, Hunde und ältere Menschen sollten diese Ecken heute meiden, sonst wird aus dem Sonntagsspaziergang ein unfreiwilliger Freiflug. Wer mit Dackel unterwegs ist, nimmt besser die Parallelstraße.

Auch die Wälder auf Sylt sind heute kein Ausflugsziel. Die Bäume dort sind einiges gewohnt und stehen seit Jahrzehnten im Westwind, abgebrochene Äste fallen aber trotzdem ohne Vorwarnung. Insgesamt kommt die Insel mit solchen Lagen erfahrungsgemäß besser zurecht als das Festland: Auf Sylt steht wenig hoher Baumbestand an Straßen und Gleisen, auf dem Festland legen umgestürzte Bäume bei Sturm regelmäßig Bahnstrecken und Landstraßen lahm. Wer heute auf der Insel bleibt, sitzt vermutlich sicherer als jemand, der gerade über Land nach Hause fährt.

Und das Wasser?

Für Hörnum hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) schon am Freitag eine klare Vorhersage: In der Nacht zu Montag gegen zwei Uhr knapp zwei Meter über dem mittleren Hochwasser, offiziell eine Sturmflut. Geprüft war damals allerdings nur der Samstagswert, der Rest eine automatische Kurvenvorhersage. Den aktuellen Stand zeigt das BSH für den Pegel Hörnum Hafen online.

Auch in Niedersachsen wird nachgezählt. Der Sturmflutwarndienst des NLWKN rechnet mit zwei leichten Sturmfluten. Am Sonntagabend könnte das Wasser in Emden, Wilhelmshaven und Bensersiel bis zu 1,75 Meter über das mittlere Tidehochwasser steigen.

Helgoland bleibt heute allein

Die Nachbarinsel trifft es beim Fährverkehr besonders. FRS Helgoline hat alle Fahrten des Halunder Jet für Sonntag abgesagt, ab Hamburg, Brunsbüttel und Cuxhaven. Auch am Samstag und Montag fährt der Katamaran nicht. Bei Cassen Eils fallen am Sonntag die Nordlicht und die MS Helgoland aus, nächster möglicher Fahrtag ist Dienstag, der 27. Oktober. Die MS Funny Girl bleibt in Büsum, die MS Flipper fährt nicht nach Neuwerk. In Cuxhaven könnten Teile der Parkflächen am Fährhafen überspült werden. Wer dort parkt, sollte das Auto heute lieber nicht zum Strandkorb machen.

Für Sylt gilt der übliche Rat: vor der Abfahrt bei Syltfähre, Autozug und Bahn nachsehen. Wetter.com hält Einschränkungen im Bahn- und Straßenverkehr für wahrscheinlich. Und dass Wind auf dem Hindenburgdamm mehr ist als ein Frisurproblem, weiß man spätestens seit dem 3. September 2009. Damals berichtete der sh:z, dass ein Lastwagen vom Autozug geweht wurde.

Klapprad gegen Orkantief

Ausgerechnet heute steht an der Westerländer Promenade die Sylter Sturmklatsche im Kalender, das Klapprad-Rennen der Insel. Laut Ausschreibung ist schlechtes Wetter ausdrücklich erwünscht, die Fitness der Teilnehmenden dagegen zweitrangig. Geplant waren die Streckenbesprechung ab 10 Uhr an der Musikmuschel, der Start um 11 Uhr auf Höhe der Crêperie am Meer und gegen 12 Uhr das „Slow Race“, bei dem der Langsamste gewinnt. Bei Gegenwind mit 45 Knoten dürfte das Slow Race die leichtere Disziplin sein. Ob der Wind mit den Klappis Mitleid hat, entscheidet der Veranstalter vor Ort.

Wie geht es weiter?

Montag wird es etwas freundlicher, aber nur etwas. Laut DWD-Wochenvorhersage sind auch am Montag einzelne Sturmböen an der See möglich, für Dienstag und Mittwoch werden an der Küste erneut stürmische Böen erwartet. Die Strandkörbe, die noch draußen stehen, sollten also nicht mit einer ruhigen Woche rechnen.

Für alle auf der Insel: Fahrräder nicht an Dünenzäune lehnen, lose Gartenmöbel reinholen, Strandübergänge bei Hochwasser meiden und Abbruchkanten am Weststrand mit Respekt behandeln. Der Sand, der dort heute fehlt, wurde mit Steuergeld hingespült.

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