Stromausfall auf dem Festland: Der Landrat sagt Danke – und Sylt nickt wissend
Wenn im Norden das Licht ausgeht, zeigt sich, wer noch funktioniert, wenn sonst nichts funktioniert. Beim großen Stromausfall an der Westküste waren das vor allem die Freiwilligen Feuerwehren, die Rettungsdienste und die Monteure, die bei Wind und Wetter an Schaltkästen herumschrauben, während der Rest der Region im Dunkeln nach Teelichtern sucht.
Ganz ohne Drama ging es diesmal nicht. Im Umspannwerk Friedrichstadt brannte es, ebenso im Bürogebäude eines Unternehmens. Die Wehren aus Friedrichstadt und Koldenbüttel löschten beide Feuer, ein Feuerwehrmann wurde dabei leicht verletzt. Gute Besserung von der Insel.
Ernst wurde es auch dort, wo Strom kein Komfort ist, sondern Atemluft. In Drage brachte die Feuerwehr einem Einwohner Notstrom für sein Beatmungsgerät. In einem Friedrichstädter Seniorenheim, dessen Bewohner auf Sauerstoffgeräte angewiesen sind, sprang zunächst die Wehr aus Tönning mit einem Aggregat ein, später übernahmen die Kameraden aus Friedrichstadt. Dass dort alles ruhig blieb, lag nach Worten von Landrat Florian Lorenzen auch an den Pflegekräften, die die Lage mit bemerkenswerter Gelassenheit gemeistert hätten. Eine Gelassenheit, um die man sie in manchem Rathaus beneiden dürfte.
Im Kreishaus in Husum trat derweil die untere Katastrophenschutzbehörde zusammen. Das klingt nach Hollywood, ist aber norddeutsche Vorsicht: früh Maßnahmen vorbereiten und den Draht zum Krisenstab des Landes halten, solange es noch einen Draht gibt.
Lorenzen verteilte anschließend Dank in alle Richtungen: an die vier Feuerwehren, an die Einsatzleiter des Rettungsdienstes, an die Kollegen aus Schleswig-Flensburg und an die Kooperative Leitstelle Nord in Harrislee, die wegen der vielen Notrufe kurzfristig zusätzliches Personal holen musste. Ein besonderes Lob ging an SH Netz, deren Leute den Großteil der Haushalte binnen weniger Stunden zurück ans Netz brachten und die Öffentlichkeit laufend auf dem Stand hielten.
Wichtiger Hinweis vom Netzbetreiber: Weil der Fehler im Hochspannungsnetz eine Überspannung auslösen kann, die wie ein Blitzeinschlag wirkt, empfiehlt SH Netz in den betroffenen Gebieten, Sicherungskästen, Hausanlagen und angeschlossene Geräte zu prüfen, notfalls durch einen Fachbetrieb. Wer Brandspuren entdeckt, soll die Feuerwehr oder einen Elektriker informieren.
Auf Sylt liest man das mit einem gewissen Wiedererkennungswert. Hier waren in der Nacht zum 7. Oktober Teile von Westerland und Tinnum ohne Strom, betroffen unter anderem Strandstraße, Friedrichstraße, Boysenstraße und Industrieweg. Ursache war ein Doppelfehler in einem unterirdischen Mittelspannungskabel, erst um 14.20 Uhr konnte der Bereich wieder zugeschaltet werden. Bei der Hotline der Energieversorgung Sylt kam damals kaum jemand durch, die EVS informierte stattdessen über Facebook und ihre Website. Insofern dürfen wir dem Festland diesmal ein kleines bisschen neidisch hinterherschauen, zumindest was das Lob für die Kommunikation angeht.
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