Im Video: Stromausfall in Westerland: Insel im Halbdunkel
Am Dienstagabend um 23 Uhr ging in Westerlands Innenstadt das Licht aus: Rund um Strandstraße und Friedrichstraße blieben Kassen, Kaffeemaschinen und Schaufenster dunkel, und zwar bis in den Mittwoch hinein.
Der Ausfall zog sich hin und traf das Herz der Einkaufsmeile. In der Friedrichstraße standen große Häuser wie Edeka, Hellner Moden und der Boss Store gegenüber ohne Licht da. Genauso erwischte es die Kleinen: Pizzerien, die Drachenhöhle und etliche weitere Einzelhändler.
Auch in der Strandstraße gingen die Lichter aus, etwa im Café Wien. Die Insel, die sonst gern im Rampenlicht steht, zeigte sich für einen Tag ungewohnt diskret.
Frühstück bei Kerzenschein, Brötchen im Halbdunkel
Wer morgens Brötchen holen wollte, kaufte bei manchem Bäcker im Dunkeln ein. In einem Restaurant kam das Frühstück bei Kerzenlicht auf den Tisch. Romantischer wird ein Mittwochmorgen in Westerland selten.
Viele Händler ließen ihre Türen allerdings gleich ganz zu. Andere trotzten der Finsternis und verkauften im Halbdunkel, so gut es eben ging.
Das eigentliche Problem war nicht das fehlende Licht, sondern die fehlende Kasse. Ohne Strom keine Kartenzahlung: EC-Geräte und Kartenterminals streikten. Wer etwas kaufen wollte, musste bar bezahlen. Nur: Auch die Geldautomaten in der Umgebung waren außer Betrieb. So wurde der Einkauf für viele zur Frage, wie viel Kleingeld noch im Portemonnaie steckte.
Für Famila, Rewe, Edeka und viele weitere Lebensmittelhändler kam noch ein Problem dazu: die Kühlkette. Fallen Kühltheken und Tiefkühltruhen stundenlang aus, wird es für Milch, Fleisch und Tiefkühlware kritisch. Was zu warm geworden ist, darf nicht mehr verkauft werden und landet im schlimmsten Fall im Müll.
Ein Kurzschluss legt die Mitte lahm
Auslöser war nach bisherigem Stand ein Kurzschluss in einer Stromleitung, der die Versorgung im gesamten Bereich kappte. Die Energieversorgung Sylt (EVS) arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck an der Behebung.
Dazu kommt eine Bitte an alle Kunden: nicht anrufen, um nachzufragen, wo der Strom bleibt. Man weiß, dass er fehlt, und arbeitet daran. Jeder Anruf bindet Leute, die gerade Wichtigeres zu tun haben. Der Telefonflut wird man derzeit ohnehin kaum Herr.
Wer zahlt die Zeche?
Für viele Händler war es ein teurer Tag: Die Angestellten wollen bezahlt werden, die Kasse aber blieb leer. Und das zu Recht, denn das sogenannte Betriebsrisiko trägt in Deutschland der Arbeitgeber. Wer seine Leute wegen Stromausfalls nach Hause schickt, muss den Lohn trotzdem zahlen (§ 615 Satz 3 BGB).
Beim Netzbetreiber ist dagegen meist wenig zu holen. Für Versorgungsunterbrechungen haftet nicht der Stromlieferant, sondern der Betreiber des Netzes. Und auch der nur eingeschränkt: Laut Niederspannungsanschlussverordnung (§ 18 NAV) muss er für entgangenen Umsatz nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit einstehen. Ein technischer Kurzschluss, den niemand verschuldet hat, fällt nicht darunter.
Bleibt die eigene Versicherung. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung hilft aber oft nur, wenn der Schaden im eigenen Betrieb entsteht, etwa durch Feuer. Für einen Ausfall im öffentlichen Netz braucht es in der Regel einen ausdrücklichen Zusatzbaustein. Das gilt auch für verdorbene Ware aus den Kühltheken. Wer keinen solchen Baustein hat, bleibt auf den Kosten sitzen. Ein guter Anlass, die eigene Police mal wieder aus der Schublade zu holen.
Licht und Schatten in der Strandstraße
Das wohl merkwürdigste Bild des Tages lieferte die Strandstraße selbst. Auf der einen Seite das Café Wien, komplett im Dunkeln. Direkt gegenüber ein Restaurant, bis auf den letzten Platz besetzt.
So nah liegen auf Sylt manchmal Glück und Pech beieinander: eine Straßenbreite. Ein seltener Anblick in diesen Tagen, und hoffentlich einer, der es auch bleibt.
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