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Über den Damm gedacht: Öger Akgün baut in Niebüll einen Autowaschpark

Über den Damm gedacht: Öger Akgün baut in Niebüll einen Autowaschpark
Foto: Redaktion
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Vom Ein-Mann-Betrieb auf Sylt zum Investor auf dem Festland: Der Gründer der Autopflege Sylt steckt 2,2 Millionen Euro in Niebüll und hat es dabei erstaunlich eilig

Händedruck, Lächeln, Foto mit dem Bürgermeister. Am Montag hat Öger Akgün im Niebüller Gewerbegebiet ein gut 4.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, Bürgermeister Wilfried Bockholt war dabei. Was dort entstehen soll, passt zu einem Mann, der seit drei Jahrzehnten nichts anderes tut, als Fahrzeuge zum Glänzen zu bringen: ein moderner Autowaschpark. Mit Waschanlage, Aufbereitung, zehn SB-Boxen und dem erklärten Anspruch, dass Autowaschen ruhig ein kleines bisschen Erlebnis sein darf.

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Der Standort hat dabei eine gewisse Poesie. Niebüll ist der Bahnhof des Autozugs, der Ort, an dem Fahrzeuge nach einer Woche Nordseewind, Dünensand und Salzgischt wieder festen Festlandsboden unter die Reifen bekommen. Wer je ein Inselauto aus der Nähe gesehen hat, weiß: Der Bedarf klebt hier praktisch an jedem Kotflügel. Akgün weiß das besser als die meisten.

1995: Ein Gesellenbrief und eine Marktlücke

Denn die Geschichte beginnt nicht in Niebüll, sondern auf Sylt. Akgün kam als Dreijähriger auf die Insel, sein Vater arbeitete dort als Tischler. Nach dem Abitur lernte er Fahrzeuglackierer. In der Lehre fiel ihm auf, was alle anderen als lästigen ersten Arbeitsschritt abtaten: das Waschen. Wo andere eine Pflichtübung sahen, sah er ein Geschäft.

1995, mit 21 Jahren, machte er sich selbstständig und gründete die Autopflege Sylt, kurz APS. Ein Mann, ein Eimer, ein Plan, so ungefähr darf man sich die Anfänge vorstellen. Es folgten Jahre, in denen er als Lackierer und Autowäscher unermüdlich für seine Kunden unterwegs war. Der Betrieb wuchs, der Bruder stieg ein, nach 15 Jahren zählte die Firma bereits 30 Beschäftigte und Ableger von der Oldtimer-Pflege bis zur Gebäudereinigung.

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Vom Autowäscher zur Unternehmensgruppe

Heute ist aus der Autopflege Sylt die Akgün Gruppe geworden, aktiv in Immobilien, Fahrzeugaufbereitung und Fahrzeugeinlagerung, Tourismus und weiteren Dienstleistungen, mit über 120 Mitarbeitern. Im Westerländer Bahnweg betreibt APS inzwischen die vierte Generation ihrer XXL-Waschanlage, in der auch Lkw und Doppeldeckerbusse durch die Rollen passen. Und weil auf einer Insel jeder Liter zählt, läuft die Wäsche zu etwa 80 Prozent mit Brauch- und Regenwasser, gereinigt wird mit biologisch abbaubaren Mitteln.

Das Erfolgsrezept klingt dabei herrlich unspektakulär: Fleiß, Ehrlichkeit und Disziplin. Sein Arbeitstag beginnt um vier Uhr morgens, zu einer Uhrzeit also, zu der auf Sylt sonst nur Möwen und Bäcker wach sind. Vom Erfolg von gestern lebt er erkennbar nicht. Niebüll ist der Beweis.

Mehr als nur Bürsten und Schaum

Der geplante Waschpark verbindet drei Welten. Die professionelle Waschanlage für alle, die sich bequem durchfahren lassen möchten. Zehn SB-Boxen für jene, die mit der Lanze jedes Felgenloch persönlich kennenlernen wollen. Und eine Fahrzeugaufbereitung, die über die klassische Wäsche hinausgeht. Dazu sollen Aktionen und Angebote kommen. Erlebnis ja, Freizeitpark nein: Akgün betont, dass die Anlage bei aller Atmosphäre ihre eigentliche Aufgabe nicht vergessen soll.

Selbst betreiben statt weiterreichen

Bemerkenswert ist die Haltung dahinter. Projekte entwickeln und dann verkaufen, das ist nicht sein Modell. „Der Waschpark soll langfristig und unbefristet von uns selbst betrieben werden“, schreibt Akgün. Eine Verpachtung sei nicht vorgesehen. Wer selbst betreibt, hat Qualität und Service in der eigenen Hand, und ärgert sich im Zweifel eben auch selbst über den verstopften Abfluss. Nach 30 Jahren im Geschäft dürfte ihn das nicht mehr schrecken.

48 Monate Zeit, aber keine Lust zu warten

Rund 2,2 Millionen Euro will die Akgün Gruppe investieren. Der Kaufvertrag räumt eine Bebauungsfrist von 48 Monaten ein, was angesichts deutscher Genehmigungsverfahren schon fast sportlich klingt. Akgün will sie trotzdem nicht ausreizen: Baubeginn soll bereits Mitte kommenden Jahres sein. Ein Eröffnungsdatum nennt er bewusst noch nicht, Planung, Genehmigung und Baustelle haben da noch ein Wörtchen mitzureden. Die Richtung aber ist klar: lieber zügig sichtbar werden als vier Jahre lang einen Bauzaun dekorieren.

Arbeitsplätze für die Region

Rund 15 Arbeitsplätze sollen entstehen, drei davon als Minijobs, die übrigen in Voll- und Teilzeit. Einen reinen Automatenbetrieb will Akgün ausdrücklich nicht. Aufbereitung, Kundenbetreuung und Technikpflege brauchen Menschen, und die sollen möglichst aus Niebüll und Umgebung kommen. Während der Bauphase dürfen sich außerdem Handwerk und Dienstleister der Region auf Aufträge freuen.

Kein Preiskampf, sondern eigenes Profil

Wer jetzt auf Kampfpreise spekuliert, wird enttäuscht. Die Preise sollen sich am Ortsüblichen orientieren, überzeugen will Akgün mit Qualität, Service und moderner Technik statt mit dem Rotstift. Den Wettbewerb sieht er gelassen: Die bestehenden Betriebe hätten ihre eigenen Konzepte und Stammkunden, er wolle daneben seinen eigenen Platz finden. Für die Autofahrer im nördlichen Nordfriesland heißt das vor allem: mehr Auswahl.

Warum ausgerechnet Niebüll?

Die Antwort fällt nüchtern aus und überzeugt gerade deshalb. Gute Erreichbarkeit, solide Infrastruktur und die Rolle Niebülls als Zentrum für das nördliche Nordfriesland gaben den Ausschlag. Und dann war da noch die Stadt selbst: Die Gespräche mit Verwaltung und Gremien beschreibt Akgün als professionell, sachlich und konstruktiv. Ein Lob, das man über deutsche Rathäuser nicht alle Tage liest und das sich Bürgermeister Bockholt ruhig einrahmen darf.

Schon ab November vor Ort

Auf die Bagger muss Niebüll allerdings nicht warten. Bereits zum 1. November übernimmt Akgün die Niebüller Autopflege in der Robert-Bosch-Straße 1. Der Betrieb hat sich auf die Aufbereitung von Neu- und Gebrauchtwagen für Gewerbe- und Privatkunden spezialisiert, vom Pkw über Lkw und Wohnmobil bis zum Motorrad, dazu Alufelgen, Smart-Repair und Kunststoffreparaturen. Kaffeefleck im Sitz, Kratzer im Lack, vergilbtes Cabrioverdeck: das klassische Programm für alle, die ihr Auto verkaufen oder ohne böse Überraschung aus dem Leasing zurückgeben wollen.

Damit ist Akgün in Niebüll angekommen, bevor auf dem neuen Grundstück der erste Spaten in der Erde steckt. Während der Waschpark noch durch Planung und Genehmigung muss, wird in der Robert-Bosch-Straße schon poliert. Wer drei Jahrzehnte im Geschäft ist, fängt eben lieber gleich an. Sein Dank geht an Jens Heerdegen, den langjährigen Inhaber, der weiterhin vor Ort unterstützt.

So schließt sich ein Kreis, der 1995 mit einem Eimer Wasser in Westerland begann. Der Mann, der auf Sylt aus einer ungeliebten Lehrlingsaufgabe ein Unternehmen gemacht hat, schaut nun über den Hindenburgdamm hinaus. In Niebüll glänzen die ersten Autos unter seiner Regie schon ab November. Der Waschpark folgt, und mit ihm hoffentlich viele frisch gewaschene Inselautos in der nordfriesischen Sonne.

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