World Cup: Kindheitstraum erfüllt, die Deutschen machen Geschichte
Zehn Tage World Cup, kein einziger Wave-Heat und trotzdem viel Grund zum Jubeln: Lennart Neubauer wird Freestyle-Weltmeister, Fabian Wolf fährt im Slalom auf Platz zwei. Ein Rückblick mit Sonnenbrand.
Sylt. Es gibt Sätze, die man auf dieser Insel eigentlich nicht schreiben muss. „Auf Sylt fehlte der Wind“ ist so einer. Er ist ungefähr so wahrscheinlich wie „In Kampen war’s günstig“. In diesem Jahr stimmte er trotzdem. Rasmus, der alte Windgott der Seeleute, hatte sich offenbar spontan eine Auszeit genommen, ausgerechnet in den zehn Tagen, in denen die besten Windsurfer der Welt am Brandenburger Strand auf ihn warteten.
Den gut 200.000 Besucherinnen und Besuchern auf der über 500 Meter langen Promenade war das ziemlich egal. Sie bekamen Sonne, Fischbrötchen und eine Siegerehrung, wie sie zum größten Windsurfevent der Welt passt. Die Besten jeder Disziplin wurden in Gold, Silber und Bronze lackierten Citroën C5 Aircross zur Bühne gefahren. Wenn der Wind schon nicht fährt, dann eben die Sportler.
Neubauer: Der Junge vom Weserufer erfüllt sich den Kindertraum, zum zweiten Mal
Der emotionalste Moment des Sonntags gehörte Lennart Neubauer. Der 22-jährige Bremer, aufgewachsen auf der griechischen Windinsel Naxos, gewann nicht nur den Freestyle-Wettbewerb auf Sylt. Er krönte sich damit auch zum zweiten Mal nach 2024 zum Weltmeister, und zwar ungeschlagen. Zwei World-Cup-Stopps gab es in dieser Saison, Fuerteventura und Sylt, und zweimal stand Neubauer ganz oben.
Die Grundlage dafür legte er schon am Mittwoch. In der Single Elimination kam er mit den typisch launischen Nordseebedingungen besser zurecht als alle anderen und setzte sich mit spektakulären Tricks und Sprüngen vor Dieter Van Der Eyken (Belgien) und Takumi Moriya (Japan) durch. Die Rückrunde am Samstag fiel dann aus, weil Rasmus weiter schwieg. Das machte nichts, denn da war die Sache schon entschieden.
Besonders süß dürfte sich ein Detail anfühlen: Im Vorjahr hatte ihm ausgerechnet hier auf Sylt der Belgier Yentel Caers den WM-Titel vor der Nase weggeschnappt. Diesmal blieb für Caers Platz drei in der WM-Wertung. Vizeweltmeister wurde der Schweizer Balz Müller.
„Als ich zehn war, habe ich mir das erste Mal gesagt, mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden“, sagte Neubauer sichtlich bewegt. „Bis vor ein paar Jahren habe ich gar nicht geglaubt, dass es erreichbar ist.“ Jetzt hat er es zweimal geschafft. Man möchte dem zehnjährigen Lennart gern auf die Schulter klopfen.
Fabian Wolf: Ein Sturz, der wehtut, und ein Platz, der bleibt
Die Achterbahnfahrt der Woche lieferte der Kieler Fabian Wolf im Foil Slalom. Der 28-Jährige mischte das internationale Feld so richtig auf. Er stand in jedem Rennen im Finale, kam nie schlechter als auf Platz vier ins Ziel und gewann drei von sieben Läufen. Mit der Gesamtführung ging er in den letzten Wettkampftag. Ein Kieler als Sylt-Sieger: Das Drehbuch schien fertig.
Dann kam das achte und letzte Rennen. Im Halbfinale stürzte direkt vor ihm sein deutscher Teamkollege Nico Prien, Wolf konnte nicht mehr ausweichen und musste abspringen. Der fünffache Weltmeister Matteo Iachino aus Italien nahm das Geschenk dankend an. Ihm reichte ein dritter Platz im Finallauf für den Gesamtsieg. Dritter wurde Amado Vrieswijk aus Bonaire.
Für Wolf ist Platz zwei trotzdem der größte Erfolg seiner Karriere und eine deutliche Ansage an die Weltspitze. „Gerade ist es eine Mischung aus Stolz und ein bisschen Traurigkeit“, sagte er nach dem Rennen. „Ich glaube, ab morgen überwiegt der Stolz.“ Lieber Fabian, das darf er gern schon heute.
Wave: Die Königsdisziplin ohne Königreich
Und dann war da noch die Disziplin, auf die sich Deutschland am meisten gefreut hatte. Mit Lina Erpenstein und Maria Behrens waren die Nummer eins und zwei der Weltrangliste angereist. Bei den Männern wartete der sechsfache Weltmeister Philip Köster als Zweiter darauf, Titelverteidiger Marc Pare (Spanien) vom Thron zu stoßen. Aus deutscher Sicht war das die schönste Ausgangslage seit Jahren.
Gestartet wurde die Disziplin allerdings kein einziges Mal. Zehn Tage lang reichte es nicht für Wellenreiten mit Segel. Einen Sylt-World-Cup ohne Wave hatte es seit vielen Jahren nicht gegeben. Wenigstens behalten die deutschen Stars so ihre starken Platzierungen. Die nächste Chance bietet in zwei Wochen Hawaii, wo der Wind hoffentlich weiß, was von ihm erwartet wird.
Zufriedene Gesichter trotz Flaute
Veranstalter und Titelpartner zogen dennoch eine rundum positive Bilanz. „Das war in allen Belangen wieder Teamsport at its best“, sagte Christian Okon, Geschäftsführer der veranstaltenden Agentur MMP Event. Timo Hinze, Leiter Werbung bei Citroën Deutschland, ergänzte: „Das macht einfach großen Spaß.“
Wer sich den Termin schon einmal vormerken will: Der Citroën Windsurf World Cup Sylt 2027 findet vom 24. September bis 3. Oktober statt. Rasmus ist hiermit offiziell eingeladen.
Alle Ergebnisse: pwaworldtour.com · Infos: windsurfworldcup.de
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