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Kommentar: Das Sommerloch weht jetzt aus Nordwest

as Sommerloch weht jetzt aus Nordwest
Foto: Nick Bosch
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Von Alex Lenz

Der 23. September war ein Mittwoch und Herbstanfang. Die örtliche Presse hat ihn mit zwei Texten begangen. Mittags erschien ein Meinungsstück mit der Überschrift „Sylter Innenstadt-Fiasko“, abends eine Unwetterwarnung unter dem Titel „Erster Herbststurm“. Wer beides in Stuttgart oder Köln gelesen hat, während er seinen Oktoberurlaub plant, könnte glauben, die Insel stehe kurz vor dem Untergang: draußen der Sturm, drinnen der Stillstand.

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Fangen wir mit dem Sturm an. Die Zahlen in der shz waren sauber recherchiert. Der Deutsche Wetterdienst hatte Sturmböen von 65 bis 85 Kilometern pro Stunde angekündigt, in List wurden in der Nacht bis zu 84 gemessen. Die Vorhersage lag also richtig. Nur die Überschrift war etwas zu groß geraten. Meteorologisch war das kein Sturm, sondern stürmischer Wind der Stärke 8 mit Böen der Stärke 9. Sturm heißt es erst, wenn schon der Mittelwind Stärke 9 erreicht. Auf Sylt nennt man so etwas Herbst. Man sichert das Trampolin, zieht die Jacke fester zu, und am Donnerstagnachmittag ist es vorbei. 

Dann das Fiasko. Die Kollegin Barbara Glosemeyer hat in einem Punkt recht: Fünf Jahre Diskussion über die Westerländer Innenstadt sind eine lange Zeit. Wer jetzt eine eigene Stelle für Projekt- und Umsetzungsmanagement schafft und ein Planungsbüro für bis zu 130.000 Euro beauftragt, sollte auch einen Zeitplan vorlegen. Diese Forderung darf man unterschreiben.

Nur ist ein Fiasko etwas anderes. Die Friedrichstraße ist, zusammen mit der Strandstraße, die gute Stube der Insel. Natürlich ist sie nicht jeden Tag frisch gesaugt. Aber wer die Fußgängerzonen von Offenbach oder Frankfurt kennt, weiß, dass in Westerland auf hohem Niveau geklagt wird. Über Blumenkübel lässt sich lange streiten. Im oberen Teil, zum Meer hin, kann auch das beste Planungsbüro wenig ausrichten, weil der Wind dort jede Gestaltungsidee schnell Richtung Festland trägt. Ab McDonald’s nach Osten ist sie nicht ganz so wndig, es ist die Friedrichstraße, die wir kennen und mögen.

Ja, dort reiht sich ein Souvenirladen an den nächsten. Das hat aber wenig mit fünf Jahren Gerede im Rathaus zu tun. Der Einzelhandel steckt in ganz Deutschland in der Krise, und auf Sylt kommen die hohen Mieten dazu. Wer Kapuzenpullis mit dem Umriss der Insel verkauft, kann eine Ladenmiete in Westerland offenbar eher bezahlen als eine Buchhändlerin. Kein Konzept für 130.000 Euro senkt eine Gewerbemiete. Dass die Gemeinde sich mit der Planung Zeit lässt, kann man kritisieren. Die Souvenirläden gehen aber nicht auf ihr Konto.

Bleibt die Frage, wem das große Wort nützt. Den Gästen, die „Fiasko“ lesen und sich vorstellen, Westerland sei eine Geisterstadt, sicher nicht. Den Händlern, die auf genau diese Gäste angewiesen sind, auch nicht. Und der Innenstadt selbst erst recht nicht. Die braucht einen Zeitplan, keinen Nachruf.

Vielleicht ist es einfach so: Das Sommerloch ist in diesem Jahr spät dran. Es kam nicht im Juli, sondern pünktlich zum Herbstanfang, mit Nordwestwind der Stärke 8. Am Freitag ist es wieder vorbei. Die Friedrichstraße steht dann immer noch. Den Zeitplan warten wir weiter ab.

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