Gestern Morgen haben wir über Nico und den Sylter Segler-Club berichtet und lagen falsch. Hier ist die ganze Geschichte.
Gesterm Morgen haben wir in unserer Morning Show über Nico berichtet. Der wohnsitzlose Kieler hatte beim Sylter Segler-Club in Munkmarsch ein Boot gekauft. Er hat uns angerufen und erzählt, dass der Verein ihm die Schlüssel abgenommen und den Kaufvertrag nicht gegeben habe. Als wir vor Ort nachfragen wollten, bekam ein Teil unseres Teams Platzverbot. Der Verein wollte sich nicht äußern. Also haben wir berichtet, was wir zu dem Zeitpunkt wussten, und das war nur Nicos Sicht.
Das war ein Fehler. Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem ersten Vorsitzenden Reiner Frankenberg und weiterer Recherche wissen wir: So, wie wir es live dargestellt haben, war es nicht. Dafür entschuldigen wir uns beim Verein und seinen Mitgliedern.
Die Show, um die es geht, hier noch einmal in gekürzter Form
Der geplatzte Traum
Als das Boot mit Hilfe des Vereins wieder lief, sollten zwei erfahrene Skipper es nach List bringen. Dabei stellten sie fest, dass es nur bedingt seetauglich ist. Ob der Motor eineinhalb Stunden unter Volllast gegen die Strömung durchgehalten hätte, war mehr als fraglich.
Und das war erst der Anfang: Nach dem Bootsführerschein wollte Nico weiter nach Rieseby an der Schlei, also einmal um die Insel und hinein in die Nordsee vor der Westküste. Bei viel Wind und hohen Wellen ist das selbst für erfahrene Skipper ein Wagnis. Für einen Anfänger wäre es lebensgefährlich gewesen. Nico träumte sogar davon, eines Tages bis ins Mittelmeer zu segeln.
Deshalb hat der Verein den Schlüssel einbehalten, und zwar nicht aus Willkür, sondern zu Nicos Schutz. Hätte man ihn so auf die Nordsee fahren lassen, hätten die erfahrenen Segler am Hafen diese Verantwortung mitgetragen. Der Verein hat richtig gehandelt.
Das kaputte Handy
Auch das Platzverbot hat sich aufgeklärt. Unser Team hatte ein Funkloch und hat deshalb den Anfang des Gesprächs mit dem Hafenmeister nicht mitbekommen. Den Rest haben wir falsch verstanden, und das hat die Sache zusätzlich angeheizt. Im Nachhinein verstehen wir auch, warum der Verein zunächst nichts sagen wollte: Er hatte sich nichts vorzuwerfen.
Die guten Menschen
Die guten Menschen in dieser Geschichte sind vor allem die Mitglieder des Sylter Segler-Clubs. Nico durfte mit seinem Boot im Munkmarscher Hafen liegen, ohne Liegegebühren zu zahlen. Die Vereinsmitglieder haben ihm beim Restaurieren geholfen, mit Rat, Werkzeug und vielen Stunden Arbeit. Sie haben ihm außerdem angeboten, das Boot drei Monate lang in Ruhe herzurichten und in der Zeit den Bootsführerschein zu machen. Daran ist es bisher nur am Geld gescheitert.
Das ändert sich jetzt. Bootschule1 übernimmt als Sponsor die Kosten für Nicos Bootsführerschein. Reiner Frankenberg hat ihm außerdem eine passive Mitgliedschaft für einen kleinen Beitrag angeboten. So kann Nico sein neues Hobby weiterführen, von den alten Seebären im Hafen lernen und selbst mit anpacken, wenn er Lust hat. Außerdem hat Nico schon mehrere Jobangebote. Für jemanden, der zurzeit wohnsitzlos ist, ist das eine echte Chance: Er kann sich hier auf Sylt ein neues Leben aufbauen und vielleicht irgendwann wirklich in den Süden segeln, dann aber gut vorbereitet.
Aus dem geplatzten Traum ist also ein neuer Anfang geworden. Wir bleiben dran und begleiten Nico dabei. Unser besonderer Dank gilt dem Sylter Segler-Club in Munkmarsch: Ihr habt einem Menschen in einer schweren Zeit zur Seite gestanden, auch als es von außen anders aussah. Danke dafür!
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