Vorweg in eigener Sache: Eigentlich hätte Martin Sonneborn bei uns in der Live-Show sitzen sollen. Der harte Einsatz in Brüssel kam dazwischen, verschoben auf nächstes Jahr. Also andersherum — wir zu ihm, in den Alten Kursaal. Der war gut gefüllt, 1000 Euro hat die Karte gekostet. Pro Person wohlgemerkt. So publiziert auf seiner Facebookseite. Für Sylt1 war der Eintritt natürlich kostenlos. Elke Wedding servierte Sonneborn höchstpersönlich ein Bier, und dann ging es auch schon los.
Und los geht es bei Martin Sonneborn ohne alles. Keine Lightshow, keine Fanfare, kein Auftrittsapplaus, der erst mal warmgeklatscht werden will. Der Mann steht einfach da und wirkt auf den ersten Blick wie ein Beamter, der gleich ein Formular erklärt. Genau darin liegt das Programm: Er baut keine Pointen auf, er legt sie beiläufig hin. Jeder Satz ein kleiner Gag, so trocken serviert, dass man ihn manchmal erst zwei Sekunden später bemerkt — und dann alleine loslacht, während vorne schon der nächste liegt.
„Guten Abend hier in Dings.“ Die Standardbegrüßung, ob Osnabrück, Berlin oder eben Sylt. Wer auf Inselwitze gehofft hatte, wartete vergeblich: erstaunlich wenig Späße über die Insel, mit der andere Gäste beim Besuch gerne kokettieren. Sonneborn hat Größeres im Blick, nämlich Brüssel und Straßburg.
Was folgt, ist ein unaufgeregtes Multimediaspektakel — seine eigene Beschreibung, und sie stimmt. Einspieler seiner Reden aus dem Europaparlament, dutzendweise Wahlplakate der PARTEI, dazu die Anekdoten aus dem Maschinenraum der EU. Manches davon kennt man, den Auftritt als Graf von Stauffenberg auf der Buchmesse etwa. Funktioniert trotzdem. Man lacht auch beim x-ten Mal, weil die Geschichten nicht von der Überraschung leben, sondern von der Ruhe, mit der er sie erzählt. Wobei „manches kennt man“ übertrieben ist. Eigentlich kennt man als Titanic-Fan und Parteimitglied jeden Text und jede Grafik. Egal.
Der eigentliche Punkt des Abends kommt aber ohne jede Pointe aus. Denn ein erheblicher Teil der Show besteht aus den Reden anderer Politiker. Nichts davon ist überspitzt, nachgestellt oder erfunden — das ist Originalton, abgefilmt im Plenarsaal. Sonneborn muss nichts hinzufügen. Er spielt es ab, schaut kurz ins Publikum und lässt das Material für sich arbeiten. Die größten Lacher des Abends gehören damit Leuten, die es vollkommen ernst gemeint haben.
Und deshalb war es, bei allem Gelächter, eigentlich ein trauriger Abend. Man geht raus und stellt fest, dass der Satiriker gar nicht das Problem ist. Er ist nur der Einzige, der die Aufnahmen mitgebracht hat.
Sonneborn in Hochform. Und beim nächsten Mal sitzt er hoffentlich bei uns.






