Wenn die edlen Pferde über das saftig grüne Gras galoppieren, mag das für Außenstehende
zunächst nach einem unnahbaren, royalen Spektakel aussehen. Doch schaut man hinter die
Kulissen der Sylter Poloturniere, offenbart sich eine zutiefst liebenswerte Welt. Es ist eine
Welt, in der nicht das Preisgeld oder das Prestige im Vordergrund stehen, sondern eine
bedingungslose Hingabe zum Tier und eine spürbare, fast familiäre Leidenschaft für den
Sport.
Wenn der Morgen erwacht: Die Magie zwischen Mensch und Tier
Die wohl schönsten und stillsten Momente des Polosports finden lange vor dem ersten Pfiff
des Schiedsrichters statt. Der Tierarzt Thomas Montag beschreibt eine Szene, die einem das
Herz aufgehen lässt: Wenn die Sonne über Sylt aufgeht und die argentinischen
Pferdepfleger, die „Grooms“, mit ihren Schützlingen den neuen Tag begrüßen. Diese Pfleger
leben förmlich für ihre Pferde. Sie sitzen entspannt auf einem der Tiere, führen behutsam
drei weitere an der Hand, und zwischen ihnen herrscht eine tiefgründige, stumme
Kommunikation. Es ist eine absolute Ruhe und ein fast blindes Vertrauen, das an die innige
Verbindung zwischen einem Menschen und seinem treuesten Hund erinnert.
Hier unser Video vom Event auf Sylt
Sanfte Hochleistungssportler mit Charakter
Die heimlichen Stars des Turniers sind ohnehin die Pferde. Sie sind nicht nur flinke,
wendige Athleten, die auf einer Fläche von bis zu sieben Fußballfeldern sprichwörtlich „auf
der eigenen Achse“ drehen können, sondern sie besitzen auch wunderbar sanfte Gemüter.
Während es auf dem Spielfeld rasant zugeht, sind die Tiere abseits des Trubels echte
Ruhepol-Künstler. In den Stallungen kann man problemlos zwischen ihnen hindurchspazieren – sie sind so liebevoll erzogen und entspannt, dass sie jeden Besucher mit einer unerschütterlichen Gelassenheit empfangen. Ihr Wohl steht für alle Beteiligten an allererster Stelle, weshalb sie von den Hufen bis zu den Ohren liebevoll bandagiert und
beschützt werden.
Gemeinschaftssinn: Die Rasen-Tänzer
Ein besonders sympathisches Ritual ist das traditionelle „Rasen-Patteln“. Nach den rasanten
Wendungen der Pferde weist der Rasen oft tiefe Spuren auf. Statt dies jedoch grummeligen
Platzwarten zu überlassen, wird das Publikum gebeten, auf das Feld zu kommen. In einer
fast schon gemütlichen Atmosphäre spazieren die Zuschauer über das Spielfeld und treten
die Grasfetzen gemeinsam wieder fest. Diese alte englische Tradition verbindet Spieler und
Zuschauer auf wunderbar unkomplizierte Weise.
Spielerischer Nachwuchs: Auf einem Rad zum Erfolg
Und auch für die ganz Kleinen und Junggebliebenen hat das Polo-Fieber eine liebenswerte,
moderne Seite bekommen: das Roda Polo. Statt auf echten Pferden flitzen die jungen
Nachwuchstalente auf elektrischen Einrädern über kleine Spielfelder. Mit leuchtenden
Augen und viel Gelächter üben sie hier spielerisch ihre Balance und das Schwingen des
Schlägers. Es zeigt, dass Polo auf Sylt nicht festgefahren in alten Traditionen ist, sondern
sich mit viel Freude, Leichtigkeit und einem großen Herz für die Zukunft öffnet.
„Die Legenden, das sind eigentlich nicht wir, sondern die jungen Spieler, die ihr Herzblut
geben, und natürlich die Pferde.“ – Eine bescheidene und warme Liebeserklärung an einen
Sport, der so viel mehr ist als nur ein Spiel.
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