Walgesang mit Turbo-Fahrrad: Nord Nord Mord und die Sylter Geografie
Ein Toter, ein Kutter und ganz viel Gesang – ein Kommentar
Folge 29 von „Nord Nord Mord“ heißt „Sievers und der Gesang der Wale“, und man muss sagen: Der Titel hält, was er verspricht. Es wird gesungen. Von Walen. Warum, wissen nur die Wale selbst.
Dabei ist der Grundplot gar nicht verkehrt. Im Hörnumer Hafen treibt die Leiche des jungen Hark Petersen, beliebt, ohne Feinde und, wie die ganze Insel weiß, Nichtschwimmer. Ein solider Krimi-Auftakt, wie ihn sich Sylt öfter wünschen würde, natürlich nur im Fernsehen.
Das Walkonzert im Fischkutter
Dann aber sitzt ein Fischer in seinem Kutter und lauscht Walgesängen. Lange. Ein wenig panisch. An den Heizer aus “Das Boot” erinnernd. Was diese Szene mit der Geschichte zu tun hat, ist uns bis heute ein Rätsel, und wir haben die Folge immerhin bis zum Abspann gesehen.
Vielleicht ist es ein versteckter Hinweis. Vielleicht ein Hilferuf der Requisite. Vielleicht wollte das Drehbuch auch nur sicherstellen, dass der Titel irgendwo vorkommt. Wir tippen auf Letzteres.
Sylt, wie es nur das ZDF kennt
Unser persönliches Highlight: Ein Darsteller radelt vom Hörnumer Hafen zum Inselmuseum. Dauer laut Film: fünf Minuten. Das sind gut 20 Kilometer, macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 240 km/h. Auf einem Hollandrad. Bei Gegenwind, denn auf Sylt ist immer Gegenwind.
Die Tour de France sollte dringend Dopingproben in Hörnum nehmen. Oder die Produktion hat heimlich einen Tunnel unter dem Rantumbecken gebaut, dann möchten wir den bitte auch benutzen.
Und natürlich ist auch diesmal Verlass auf die Panzerstraße oben am Ellenbogen, die im Nord-Nord-Mord-Universum offenbar alle Inselorte miteinander verbindet. Für uns Insulaner ist das jedes Mal ein kleines Fest. Ja, es ist Fiktion. Aber inzwischen hat auch das breite Publikum leise Kritik angemeldet.
Ambra: Der Schatz, der keine Kotze ist
Wirklich interessant wird es beim Ambra, dem grauen Gold aus dem Pottwal. Gern „Walkotze“ genannt, was ein Unrecht ist: Ambra entsteht im Darm des Pottwals und kommt meist am anderen Ende heraus. Walkotze klingt halt schöner.
Wertvoll ist das Zeug trotzdem. Genannt werden etwa 17 Euro pro Gramm, gute Qualität bringt deutlich mehr. Ein Thailänder soll 55 Kilo aus dem Meer gezogen haben, genug, um Millionär zu werden. Ein Kiloklumpen am Strand wäre also schnell eine neue Strandsauna wert.
Kann so ein Brocken auf Sylt landen? Grundsätzlich ja. Pottwale verirren sich in die Nordsee, im Februar 2025 lag sogar einer tot am Strand von Hörnum. Ambrafunde an Nordseeküsten sind belegt, etwa in Großbritannien. Wahrscheinlich ist ein Jackpot am Sylter Strand trotzdem nicht.
Und selbst wenn: Der Handel ist artenschutzrechtlich heikel. Wer also mit einem grauen Klumpen unterm Arm nach Westerland marschiert, sollte vorher beim Zoll anrufen und nicht beim Juwelier.
Unser Strandtipp: Riecht der Fund süßlich-erdig, könnte es Ambra sein. Riecht er nach Fisch, ist es wahrscheinlich Fisch.
Viel Gesang, wenig Melodie
Peter Heinrich Brix ist wie immer die sichere Bank, das Ermittlerteam liefert solide ab. An den Darstellern liegt es nicht.
Unterm Strich ist „Sievers und der Gesang der Wale“ trotzdem eine der schwächeren Folgen der Reihe. Ein brauchbarer Fall, verpackt in rätselhafte Walkonzerte und eine Insel, auf der Fahrräder Lichtgeschwindigkeit erreichen. Wir schauen beim nächsten Mal natürlich wieder ein. Schon allein, um zu sehen, wohin die Panzerstraße diesmal führt.
Quellen
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