Tinnum/Sylt – Es gibt Tage auf dem Fußballplatz, die lassen sich mit Logik nicht erklären. Das Heimspiel des Team Sylt (9er) gegen den TSV DE Viöl II war genau ein solcher Tag. Wer am Ende nur auf die nackten Zahlen schaut, sieht ein 2:4 (0:2). Wer jedoch die 95 Minuten am Spielfeldrand miterlebte, rieb sich fassungslos die Augen: Eine geschätzte Torschussbilanz von 40-5 zugunsten der Insulaner reichte nicht aus, um die drei Punkte auf der Insel zu behalten.
Die erste Halbzeit: Ein Sturmlauf ohne Krönung
Von der ersten Minute an ließ das Team Sylt keinen Zweifel daran, wer Herr im Hause ist. Die Gastgeber dominierten das Geschehen nach Belieben, kombinierten sich gefällig durch die Reihen, scheiterten jedoch immer wieder an zwei Faktoren: der eigenen Ungenauigkeit und dem überragenden Viöler Schlussmann.
Bereits in der 23. Minute bebte das Aluminium, als ein Sylter Abschluss nur den Pfosten traf. Während die Gastgeber Chance um Chance kreierten – Finn Schuch scheiterte in der 25. Minute am Keeper –, schlug der Blitz in der 19. Minute plötzlich auf der anderen Seite ein. Ein Distanzschuss aus gut 35 Metern senkte sich zum 0:1 ins Netz. Ein Gegentreffer aus dem Nichts, begünstigt durch einen unnötigen Ballverlust im Aufbau. Nur acht Minuten später der nächste Schock: Viöl konterte die weit aufgerückte Sylter Hintermannschaft eiskalt zum 0:2 aus (27.). Zur Pause betrug das Torschussverhältnis etwa 25:2 – und dennoch ging es mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Kabinen.
Hoffnung, Drama und eine folgenschwere Dezimierung
Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild nicht. Es war ein Spiel auf ein Tor – das der Viöler. In der 71. Minute keimte endlich Hoffnung auf, als ein fälliger Strafstoß zum 1:2-Anschluss verwandelt wurde. Der Druck wurde nun fast unerträglich, Ecke um Ecke segelte in den Viöler Strafraum, doch der Ausgleich wollte einfach nicht fallen.
Mitten in dieser Drangphase schwächte sich das Team Sylt selbst: Abdessamad Jardouge (Nr. 5), der bereits in der 77. Minute Gelb gesehen hatte, musste in der 90. Minute mit Gelb-Rot vom Platz. Die Entscheidung des souveränen Schiedsrichters wegen einer vermeintlichen Schwalbe war bitter, besiegelte aber die Unterzahl für die Schlussminuten.

Eine Schlussphase für die Geschichtsbücher
In der Nachspielzeit überschlugen sich die Ereignisse. Ein Handelfmeter in der 90. Minute brachte das 1:3 für Viöl – die Vorentscheidung. Doch Sylt bewies Moral: Ein abgefälschter Ball kullerte in der 94. Minute zum 2:3 über die Linie. War noch ein Wunder möglich? Nein. Quasi im Gegenzug wurde die entblößte Abwehr erneut ausgekontert, und Viöl markierte den 2:4-Endstand.
Fußball kann grausam sein
Für das Team Sylt ist diese Niederlage ein schwerer Schlag im Kampf um die Tabellenspitze. In der aktuellen Tabelle rangiert man mit 19 Punkten auf Platz 3, verpasst es aber, den Anschluss an Spitzenreiter Eggebek II (25 Punkte) und Schobüll (22 Punkte) zu verkürzen.
Man of the Match war ohne jeden Zweifel der Torhüter des TSV DE Viöl II, der mit einer Serie von Glanzparaden die Sylter Angreifer zur Verzweiflung trieb. Für die Sylter bleibt die bittere Erkenntnis: Überlegenheit gewinnt Spiele nur, wenn man sie in Tore ummünzt. Trotz der Niederlage und des Pechs kann die Mannschaft auf die spielerische Leistung aufbauen – die Effizienz muss jedoch dringend mit auf das Festland genommen werden.
Der Blick auf die Tabelle: Ein herber Dämpfer im Aufstiegsrennen
Durch diese bittere Pleite verpasst es das Team Sylt, den Druck auf die Tabellenspitze maximal hochzuhalten. Mit 19 Punkten rangiert man zwar weiterhin auf dem 3. Platz, doch der Abstand auf den Spitzenreiter TSV Eintracht Eggebek II (25 Punkte) ist auf sechs Zähler angewachsen. Auch der SV Schobüll, der mit 22 Punkten auf Platz 2 liegt, hat nun einen psychologischen Vorteil, zumal die Schobüller noch ein Nachholspiel in der Hinterhand haben.
Ein schwacher Trost bleibt der Blick auf das Torverhältnis: Mit einer Differenz von +33 stellen die Insulaner weiterhin den mit Abstand gefährlichsten Angriff der Liga (zum Vergleich: Eggebek II steht bei +10). In einem engen Saisonfinale könnte dieser „Bonus“ noch Gold wert sein.
Ausblick: Die Wochen der Wahrheit
Trotz des Rückschlags ist im Kampf um die Meisterschaft noch nichts verloren, denn die „Wochen der Wahrheit“ stehen erst noch bevor. Das Team Sylt hat es nach wie vor in der eigenen Hand, die Scharte auszuwetzen:
- Revanche im Visier: Bereits am 13. März bietet sich die Chance zur Wiedergutmachung, wenn es zum direkten Rückspiel gegen den TSV DE Viöl II kommt.
- Die Big Points: Ende März und Anfang April warten die direkten Duelle gegen die Konkurrenz. Am 29. März empfängt Sylt den SV Schobüll zum Tanz um Platz 2, bevor es am 10. April zum ultimativen Showdown gegen den Tabellenführer aus Eggebek kommt.
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