Beim diesjährigen Frühjahrsschwimmfest des Hamburger Schwimm-Clubs (HSC) stellten drei junge Nachwuchstalente ihr sportliches Können eindrucksvoll unter Beweis. Emma Grothkopp (Jahrgang 2014) sowie Tassilo und Nepomuk Stemmle (beide Jahrgang 2015) reisten hoch motiviert an die Elbe und belohnten sich mit starken Zeiten und tollen Platzierungen.
Persönliche Bestzeiten und sportliche Meilensteine
Besonders jubeln durfte Emma Grothkopp, die auf der anspruchsvollen 200-Meter-Lagen-Distanz einen echten Meilenstein erreichte. Mit einer herausragenden Zeit von 02:59,26 Minuten blieb sie zum allerersten Mal in ihrer noch jungen Karriere unter der magischen Drei-Minuten-Marke.
Auch Tassilo und Nepomuk Stemmle zeigten sich in absoluter Topform und stellten ihre sportliche Entwicklung eindrucksvoll unter Beweis. Tassilo brillierte auf seinen favorisierten Bruststrecken und schlug über die 50 Meter Brust nach starken 00:44,44 Minuten an. Nepomuk legte seinen Fokus auf die Schmetterlingsdisziplin. Über die 50-Meter-Distanz konnte er seine bisherige Bestleistung um mehr als eine volle Sekunde unterbieten und freute sich über eine hervorragende Zeit von 00:40,27 Minuten.
Medaillenregen in der Mehrkampfwertung
Neben den Einzelrennen stand besonders die anspruchsvolle Mehrkampfwertung im Fokus des Wettkampfs. Diese setzte sich aus den 200 Metern Lagen sowie einer frei wählbaren 100-Meter- und 50-Meter-Strecke zusammen. Hier bewiesen die drei jungen Athleten enorme Vielseitigkeit und Ausdauer.
Tassilo Stemmle sicherte sich in der Gesamtabrechnung einen hervorragenden zweiten Platz und durfte sich über die Silbermedaille freuen. Emma Grothkopp krönte ihre tolle Leistung mit einem starken dritten Platz und sicherte sich damit ebenfalls einen Platz auf dem Siegertreppchen. Nepomuk Stemmle verpasste das Podium nur hauchdünn und landete auf einem hart umkämpften, aber nicht minder fantastischen vierten Platz.
🏊♂️ Wenn Sylter das Chlorwasser zum Kochen bringen – TSV Westerland räumt in Lübeck ab, als gäb’s kein Morgen
Lübeck hatte keine Chance. Nicht gegen diese Insel.
Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen wie einen frischen Sylter Austernhappen: Da packen ein paar Schwimmerinnen und Schwimmer vom TSV Westerland ihre Badekappen ein, steigen in den Zug Richtung Festland – und kommen zurück wie eine Wikingerhorde nach erfolgreichem Beutezug. Im Gepäck: Titel, Rekorde, persönliche Bestzeiten und das breite Grinsen von Sportlern, die wissen, dass sie gerade ein ganzes Bundesland ins Staunen versetzt haben.
Bei den Meisterschaften des Schleswig-Holsteinischen Schwimmverbandes im Sportbad St. Lorenz in Lübeck traten über 300 Schwimmer aus 27 Vereinen an. Die Konkurrenz also durchaus vorhanden. Und mittendrin: die Delegation vom äußersten Rand der Republik, von einer Insel, auf der manche Leute immer noch glauben, die größte sportliche Herausforderung bestehe darin, bei Windstärke 8 das Fahrrad geradeaus zu lenken. Falsch gedacht. Sowas von falsch gedacht.
Lennart Guetari: Der Jahrgangsmeister, den man einfach nicht stoppen kann
Wenn Lennart Guetari ins Becken springt, dann ist das kein Schwimmen – das ist eine Ansage. Der Jahrgang-2011er präsentierte sich in Lübeck in einer Form, die man nur als „absolut furchteinflößend für die Konkurrenz“ bezeichnen kann. Fünf Finalteilnahmen, dreimal Gold, einmal Silber. Man muss sich das mal reinziehen: Über 50 Meter Schmetterling knallte er eine 00:27,71 in die Anzeigentafel. Über 50 Meter Brust? 00:34,04 Minuten. Über 100 Meter Schmetterling? 1:03,24 Minuten. Jeweils mit Vereinsrekord, versteht sich – als wäre das normal, als würde man halt so nebenbei die Geschichtsbücher des TSV Westerland umschreiben.
Über 50 Meter Rücken sicherte sich Lennart ebenfalls einen Vereinsrekord in 00:30,77 Minuten und belegte Platz zwei in der Gesamtwertung. Besonders bemerkenswert – und hier wird’s fast schon ein bisschen unverschämt: Er steigerte sich in nahezu jedem Rennen vom Vorlauf bis zum Finale. Während andere Schwimmer im Finale die Nerven verlieren wie Touristen bei der Fährpreiserhöhung, dreht Lennart erst richtig auf.
Auf den längeren Strecken der offenen Wertung landete er ausschließlich auf Platz 1 und 2 seines Jahrgangs und holte noch locker drei Vereinsrekorde über 400 und 200 Meter Freistil sowie 200 Lagen drauf. Der mehrfache SHSV-Jahrgangsmeister war schlicht und ergreifend nicht zu bremsen. Wie der Weststurm an der Roten Kliff-Kante – kommt, sieht, fegt alles weg.
Johanna Gerlach: Die Überraschung, die eigentlich keine mehr sein sollte
Für eine der ganz großen Überraschungen sorgte Johanna Gerlach – wobei, wenn man ehrlich ist, sollte man bei dieser jungen Frau langsam aufhören, von „Überraschung“ zu sprechen. Das ist keine Überraschung mehr. Das ist ein Muster. Das ist Können.
Johanna qualifizierte sich gleich für fünf Finals auf ganzer Linie. Über 50 Meter Rücken donnerte sie in starken 00:33,83 Minuten zur Bronzemedaille – und stellte dabei einen Vereinsrekord auf, als wäre das eine Pflichtübung. Noch eindrucksvoller der Weg zur Jahrgangsmeisterin 2012 über 50 Meter Schmetterling: 00:30,90 Minuten, Platz zwei insgesamt, und das mit über einer Sekunde Vorsprung auf die Zweitplatzierte. Sie verbesserte dabei ihr Vorjahresergebnis um fast zwei Sekunden und holte sich ihren ersten Kreisjugendrekord – eine tolle Steigerung, die zeigt, dass hier jemand auf dem allerbesten Weg nach oben ist.
Auch über 50 Meter Freistil schwamm „Hanni“ in persönlicher Bestzeit von 00:29,82 Minuten auf einen hervorragenden vierten Platz. Nur wenige Hundertstel trennten sie von Bronze. Bei dieser Frau hat man das Gefühl: Das nächste Mal reicht’s. Und das übernächste Mal auch. Und dann wird’s richtig interessant.
Leni Klukas: Das Comeback, auf das alle gewartet haben
Jetzt wird’s emotional, meine Damen und Herren. Leni Klukas ist zurück. Nach einer überstandenen Knieverletzung – und wer jemals eine Knieverletzung hatte, weiß, wie sich das anfühlt, nicht nur körperlich, sondern im Kopf – meldete sich Leni auf eine Art zurück, die man nur als „Statement“ bezeichnen kann.
Mit einem Vereinsrekord über 200 Meter Schmetterling in 3:00,58 Minuten sicherte sie sich den Titel der Jahrgangsmeisterin in dieser Disziplin und Strecke. Leni nahm an sechs Vorläufen teil, und in persönlicher Bestzeit absolvierte sie dabei die 100 Meter Freistil in 1:06,88 Minuten, 100 Meter Schmetterling in 1:20,02 und 50 Meter Freistil in 00:29,45 – starke Leistung. Punkt. Ausrufezeichen. Und noch ein Ausrufezeichen.
Man darf nicht vergessen: Diese Athletin kam aus einer Verletzungspause zurück. Kein Mitleid – Leni braucht keins. Aber Respekt. Einen ganzen Ozean voll Respekt.
Vasilisa Khramkov: Knapp am Podium vorbei, aber mit einem Lächeln, das Bronze wert ist
Vasilisa Khramkov, Jahrgang 2012, lieferte eines dieser Turniere ab, bei denen man als Zuschauer zwischen Begeisterung und Mitleid hin- und hergerissen wird. Zwei Finalteilnahmen – stark. Über 100 Meter Rücken verpasste sie in 1:15,63 Minuten nur ganz knapp eine Medaille, landete auf Platz 4. Die berüchtigte „undankbare Vier“. Über 50 Meter Rücken belegte „Vasi“ im Finale in schnellen 00:35,42 Sekunden den sechsten Rang – und erzielte dann noch den Durchbruch zur Medaille: In ihrer Paradedisziplin 200 Meter Brust erkämpfte sie sich Silber in starken 3:20,78 Minuten.
Bei Vasilisa darf man sich von dem einen oder anderen knappen Ergebnis nicht täuschen lassen. Diese junge Schwimmerin sammelt gerade Erfahrung wie andere Leute Muscheln am Strand von Kampen – und irgendwann wird die Sammlung so wertvoll, dass alle neidisch gucken.
Tilda Thieleben: Sieben Bestzeiten in neun Starts – die Formkurve zeigt steil nach oben
Man muss sich das nochmal klarmachen: Tilda Thieleben, Altersklasse 13, trat neunmal an. Und bei sieben dieser neun Starts knackte sie ihre persönliche Bestzeit. Sieben von neun! Das ist eine Quote, bei der selbst die statistikverliebten Kollegen von der Sportredaktion feuchte Augen bekommen.
Sie platzierte sich im oberen Drittel, schwamm 200 Meter Schmetterling in 3:11,67 Minuten, landete auf Platz 4 – und verpasste damit nur knapp das Podium. Über 400 Meter Freistil spulte Tilda in schnellen 5:18,83 Minuten ihre Bahnen runter und sagte sich: Was hinter mir liegt, bleibt hinter mir. Was vor mir liegt, hole ich mir.
Mit konstanten Zwischenzeiten zeigte Tilda, dass auch als Triathletin unterwegs ist, was ihr eine besondere Ausdauerstärke verleiht. Die Mischung aus Schwimmen und Triathlon – auf Sylt wahrscheinlich so natürlich wie Sand und Salzwasser.
Haley-Moreen Kusch: Vereinsrekorde trotz Verletzungspause – geht’s noch?
Auch Haley-Moreen Kusch, Jahrgang 2007, bewies, dass eine Verletzungspause sie nicht bremsen kann. Im Gegenteil. Sie kam zurück und hämmerte drei persönliche Bestzeiten und zwei Vereinsrekorde ins Wasser: Über 100 Meter Rücken in 1:14,31 Minuten und 200 Meter Rücken in 2:43,49 Minuten. Platz 13 in der offenen Wertung – respektabel.
Chiara Ruge, Jahrgang 2008, komplettierte das Team und zeigte mit ihrer Vorlauf-Teilnahme über 50 Meter Brust in 00:41,49 Minuten ebenfalls eine gute Leistung.
Der Nachwuchs: Paul Steinmetz und Greta Schöwing schreiben ihre eigene Geschichte
Im schwimmerischen Mehrkampf der Jahrgänge 2016 gingen die Jüngsten des TSV Westerland an den Start – Greta Schöwing und Paul Steinmetz, jeweils viermal am Start. Die Addition der Punkte machte es spannend: Paul sicherte sich mit sensationellen 932 Punkten eine Goldmedaille, dabei schwamm er auf allen Strecken persönliche Bestzeiten. Unter 200 Meter Lagen in 3:14,67 Minuten und 100 Meter Freistil in 1:17,64 Minuten – ein fantastisches Ergebnis und eine große Motivationsspritze für den jungen Sylter Schwimmer.
Greta belegte als jüngste Schwimmerin mit 457 Punkten einen guten neunten Platz und erzielte ebenfalls persönliche Bestzeiten. Beide holten sich starke Eindrücke von diesem großen Wettbewerb – und wenn man so will: Das Festland hat jetzt schon mal die Namen gehört. Merken sollte man sich die sowieso.
Paul Steinmetz und die Altersklassen-Könige
Paul Steinmetz schwamm sich zudem mit jeweils Vorlauf und Finale in den Altersklassen AK 11 bei den Herren ins Rampenlicht. Dort gab es das „SHSV Jugendfinale“ der Altersklassen: weiblich 13-14 und männlich 13-15. Weiterhin ermittelte man den schwimmerischen Mehrkampf der AK 10-12 Jahrgangssieger. Der Junge ist zehn Jahre alt und schwimmt, als hätte ihm jemand gesagt, dass es auf der Insel Nachtisch nur für Goldmedaillengewinner gibt.
Die Bilanz: 38 Bestzeiten, 14 Vereinsrekorde – und ein Coach, der sich die Hände reibt
Lassen wir die Zahlen sprechen, denn sie sind beredt genug: 38 persönliche Bestzeiten, 14 Vereinsrekorde sowie elf Finalteilnahmen. Das sind keine Zahlen – das ist eine Kampfansage. An die gesamte Schwimmlandschaft Schleswig-Holsteins.
Der TSV Westerland reiste unter der Leitung von Cheftrainer Dirk Hübler mit neun Sportlern an – von erfahrenen Leistungsträgern bis hin zu vielversprechenden Nachwuchstalenten. Die Jugendvertretung im Überblick: Lennart Guetari (AK 15), Johanna Gerlach, Vasilisa Khramkov (beide AK 14), Tilda Thieleben (AK 13), für den Erwachsenenbereich: Haley-Moreen Kusch (Jahrgang 2007), Chiara Ruge (2008), Leni Klukas (AK 15) sowie im schwimmerischen Mehrkampf: Greta Schöwing und Paul Steinmetz (beide AK 10).
Blick nach vorn: Norddeutsche Meisterschaften im Visier
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt dem Team nicht. Die Norddeutschen Meisterschaften am 24. und 25. April sind bereits das nächste große Ziel. Mit einem geplanten Trainingslager über Ostern und der bewährten Trainingsstruktur unter Chefcoach Dirk Hübler und Bastian Guetari sind die Syltschwimmer bestens vorbereitet, um auch dort an die Erfolge anzuknüpfen.
Und seien wir mal ehrlich: Wenn eine Handvoll Insulaner aus Westerland regelmäßig das Festland aufmischt, dann ist das nicht nur Sport. Dann ist das eine Haltung. Eine Haltung, die sagt: Wir sind von Sylt. Wir trainieren bei Wind und Wetter. Wir schwimmen schneller als euer WLAN. Und wir kommen wieder.
Immer.
Moin und Chapeau, TSV Westerland. Lübeck wird sich erinnern. 🏅
Inhaltsverzeichnis
Toggle- Lennart Guetari: Der Jahrgangsmeister, den man einfach nicht stoppen kann
- Johanna Gerlach: Die Überraschung, die eigentlich keine mehr sein sollte
- Leni Klukas: Das Comeback, auf das alle gewartet haben
- Vasilisa Khramkov: Knapp am Podium vorbei, aber mit einem Lächeln, das Bronze wert ist
- Tilda Thieleben: Sieben Bestzeiten in neun Starts – die Formkurve zeigt steil nach oben
- Haley-Moreen Kusch: Vereinsrekorde trotz Verletzungspause – geht’s noch?
- Der Nachwuchs: Paul Steinmetz und Greta Schöwing schreiben ihre eigene Geschichte
- Paul Steinmetz und die Altersklassen-Könige
- Die Bilanz: 38 Bestzeiten, 14 Vereinsrekorde – und ein Coach, der sich die Hände reibt
- Blick nach vorn: Norddeutsche Meisterschaften im Visier
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