Man könnte es fast als einen gut getarnten Missionierungsversuch des FC St. Pauli ansehen, doch die Realität hatte einen amüsanteren Plan: Das Trainingscamp der Rabauken-Fußballschule war mit rund 90 Kindern ein voller Erfolg – nur schien kaum jemand das richtige Trikot unter der Trainingskleidung zu tragen.
Auf dem Papier klang alles nach Kiez-Kult: Tägliches Training auf höchstem Niveau, Finten, Dribblings und Torschuss nach der Lehre des Nachwuchsleistungszentrums. Dazu gab es für jeden Teilnehmer ein schickes Trikotset, natürlich mit individuellem Namensdruck. Doch wer genauer hinsah und vor allem hinhörte, rieb sich verwundert die Augen und Ohren.
Denn die Zahl der bekennenden St. Pauli-Fans unter den 6- bis 13-Jährigen war, vorsichtig ausgedrückt, überschaubar. Einheimische Beobachter sprachen von einer raren, beinahe exotischen Spezies. Stattdessen entpuppte sich das Camp als inoffizielles Treffen der HSV-Jugend. Wohin man auch blickte, sah man kleine Fans der „Rothosen“, die mit Feuereifer die professionellen Übungen der ungeliebten Konkurrenz absolvierten.
Ein amüsanter Beleg dafür, dass exzellente Nachwuchsarbeit und die pure Freude am Ball stärker sind als jede Vereinsrivalität. Ob der FC St. Pauli hier unwissentlich die nächste Generation an Stars für den Nachbarn aus dem Volkspark ausgebildet hat, wird die Zukunft zeigen. Für die rund 90 Kinder war es in jedem Fall eine rundum gelungene Woche – egal, für welchen Hamburger Verein ihr Herz schlägt.




