Fischereifreie Zonen im Wattenmeer: WWF will Tidebecken bei Sylt schützen – Krabbenfischer warnen
Die Umweltorganisation WWF hat einen Plan für fischereifreie Gebiete im schleswig-holsteinischen Wattenmeer vorgelegt. Mehrere der vorgeschlagenen Schutzflächen liegen rund um Sylt. Die Krabbenfischer sehen ihre Existenz bedroht.
Gut ein Jahr nach dem gescheiterten „Zukunftsdialog Krabbenfischerei“ hat der WWF konkrete Flächen vorgeschlagen, auf denen im Nationalpark nicht mehr gefischt werden soll. Nach den Vorschlägen sollen 58 Prozent der Nationalparkbereiche, die derzeit von Krabbenkuttern befischt werden, künftig der Natur überlassen bleiben. Laut WWF würde das die Fischerei in den Küstengewässern des Landes um rund ein Viertel einschränken.
Was das für Sylt bedeutet
Die Insel ist von dem Plan direkt betroffen, allerdings nicht flächendeckend. Der WWF will unter anderem die Tidebecken bei Sylt, die Norder- und Süderaue zwischen den Inseln und dem Festland sowie die küstenfernen Gebiete vor Amrum und Sylt samt Schweinswalschutzgebiet zu fischereifreien Zonen erklären. Die Fanggebiete unmittelbar vor Sylt, die für die Krabbenfischerei wichtig sind, sollen dagegen weiter befischt werden dürfen.
Die Argumente des WWF
Nach Ansicht der Umweltorganisation ist der ökologische Zustand der Küstengewässer besorgniserregend. WWF-Meeresschutzexpertin Catherine Zucco kritisiert, dass die Krabbenfischerei den ständig überfluteten Teil des Nationalparks nahezu vollständig mit Grundschleppnetzen befischt. Dadurch fehlten Rückzugsräume für die Artenvielfalt. Wo es möglich war, habe man ökologisch wertvolle Gebiete ausgewählt, die heute ohnehin kaum befischt werden, so Zucco.
Die Sicht der Fischer
Die Krabbenfischer lehnen den Plan ab. Möller, Vorsitzender der Sparte Krabbenfischerei im Landesfischereiverband, sagt, es blieben kaum noch nutzbare Flächen übrig, und vergleicht die Nullnutzungszonen mit einem Berufsverbot. Die Flotte schrumpfe ohnehin. Umso wichtiger sei es, flexibel auf wenig genutzte Gebiete ausweichen zu können. Die Fischer berufen sich außerdem auf wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen ihr Fanggeschirr keine langfristigen Schäden am Meeresboden verursacht.
Wie es weitergeht
Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten. Das Landwirtschaftsministerium in Kiel rechnet in der laufenden Legislaturperiode nicht mehr mit einer Einigung, die alle Beteiligten mittragen. Die Fischer sind zu neuen Gesprächen bereit, halten sie vor der Landtagswahl im Frühjahr aber nicht für nötig. In Niedersachsen ist man bereits weiter: Dort sollen rund zehn Prozent des Küstenmeers für die Fischerei gesperrt werden. Über die Gebietsvorschläge berät jetzt der Landtag.
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