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Das Paket-Dilemma: Warum unser „Kleiner Laden“ am Ende fehlte
Wenn Tränen sprechen: Ein Abschied von Angela Schiedungs „Kleinem Konsum“
Es sind Momente, in denen die Worte schwerfallen und die Tränen sprechen. Am 13. Februar schließt „Der kleine Laden im Backparadies“ im Wenningstedter Weg endgültig seine Türen. Bereits am 15. Januar 2026 war der Hermes-Paketshop dort zum letzten Mal geöffnet. Für Angela Schiedung und ihre Tochter Mandy ist es eine Entscheidung, die aus der Not geboren wurde und das Herz bluten lässt. „Das war mein Leben, mein kleiner Konsum“, sagt Angela, ihre Stimme belegt von unendlich viel Herzblut, das sie fast zehn Jahre in diesen besonderen Ort investiert hat.
Ein halbes Jahrhundert voller Leben Seit über einem halben Jahrhundert war dieser Laden ein fester Ankerpunkt in Westerland-Nord. Generationen von Syltern und Gästen erinnern sich daran, wie sie hier als Kinder ihr Eis holten, als es noch ein Spar-Markt war oder später bei Erwin Schacht ihre Lebensmittel kauften. Zuletzt hielten Angela Schiedung, ihre Tochter Mandy und Verkäuferin Bettina Junge die Tradition eines echten Tante-Emma-Ladens lebendig: Mit Grundnahrungsmitteln, frischen Brötchen, selbstgemachtem Honig, Zeitschriften und sogar einem täglichen Mittagstisch, der Handwerker und Anwohner mit herzhaften Suppen und Pizza versorgte.
Der Paket-Tsunami, der alles erdrückte
Eigentlich wollte Angela Schiedung ihr Geschäft erst im nächsten Jahr aufgeben. Doch die Realität holte sie ein. Seit der Schließung des Hermes-Shops im Papierhaus Voss im September 2025 explodierte die Paketflut im Wenningstedter Weg förmlich. Plötzlich waren es 3.000 bis 4.000 Pakete im Monat – eine schier unglaubliche Menge für einen so kleinen Laden.
„Vorher war alles easy“, schildert Angela die Zeit, als der Paketshop noch ein handhabbares Nebengeschäft war. Doch der Ansturm wurde dominant, fordernd und erdrückte alles andere. 30 Koffer auf einmal? Da ist ein kleiner Laden schnell voll. Selbst die wenigen Euro pro Koffer können den immensen Platz- und Zeitaufwand, die Organisation und das Haftungsrisiko kaum decken.
Die Sylter Logistik und ihre Auswirkungen
Diese Entwicklung ist exemplarisch für die Herausforderungen auf unserer Insel. Die Logistik über den Damm ist fragil, und wenn ein Paket nicht ankommt, ist der Laden vor Ort das Ventil für den Kundenfrust. Auch wir, die selbst einen Surfshop betrieben, kennen das Problem: Der geringe Verdienst steht in keinem Verhältnis zum immensen Platzbedarf – man denke an 40 Hundekörbe, die plötzlich den Verkaufsraum blockieren – und dem Risiko des Paketverlustes.
Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt, der oft übersehen wird: Die Kundenfrequenz hat sich verändert. Die Pendler – Handwerker und Saisonkräfte, die sich Sylt kaum noch leisten können und monatlich schnell 400-500 Euro für Miete und Fahrt aufbringen müssen – sparen. Der schnelle Kaffee, die Brötchen oder die Zigaretten, die früher einen Großteil des Umsatzes ausmachten, bleiben aus. Dies ist kein reines Sylter Phänomen, aber es trifft unsere Inselgemeinschaft besonders hart.
Ein letzter Gruß und die Chance auf ein Stück Erinnerung
Die Lichter gehen aus in einem Laden, der über Jahrzehnte ein Stück Heimat war. Wer noch ein letztes Mal Angela, Mandy und Bettina persönlich treffen und vielleicht ein Stück der Laden-Einrichtung oder Produkte erwerben möchte, hat bis zum 13. Februar die Gelegenheit dazu.
Wir von Sylt1 verneigen uns vor dem unglaublichen Engagement dieser Frauen und wünschen ihnen von Herzen alles erdenklich Gute für die Zukunft. Danke, für diesen „Kleinen Laden“, der in unseren Herzen groß bleiben wird.





















































