Seit Mitte Oktober herrscht traurige Gewissheit am Kampener Strönwai: Die Bagger sind angerückt, um eine über 50 Jahre alte Institution dem Erdboden gleichzumachen. Der legendäre „Rauchfang“ wird abgerissen. Während die Insel-Liebhaber dem Ende einer gastronomischen Ära beiwohnen, machen hartnäckige Gerüchte die Runde, dass der bekannte Luxus-Juwelier Wempe das prominente Grundstück erworben haben soll.
Hier noch einmal ein paar Eindrücke von der Location im Video
Vom Szenelokal zum Baugrundstück
Nachdem der Bauausschuss in Kampen bereits vor einiger Zeit grünes Licht für den Abriss gegeben hatte, ist es nun so weit. Das Gebäude, das unter der legendären Führung von „Greta“ jahrzehntelang als eine der angesagtesten Adressen der „Whiskymeile“ galt und wo der Champagner in Strömen floss, weicht nun Neuem.
Die ursprünglichen Pläne sahen einen Gebäudekomplex mit zwei Einzelhandelsgeschäften, Wohnungen und einem neuen Restaurant vor, realisiert von einer Bauträgergesellschaft. Doch die aktuelle Gerüchtelage auf der Insel spricht eine andere Sprache. Immer lauter wird gemunkelt, dass Juwelier Wempe hinter dem Kauf steckt, um an dieser prominenten Stelle eine eigene Niederlassung zu errichten. Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, doch ein solches Geschäft würde sich nahtlos in das exklusive Umfeld Kampens einfügen.
Ein weiteres Traditionslokal verschwindet von der Bildfläche
Der Fall „Rauchfang“ ist kein Einzelfall auf Sylt. Das Verschwinden von Traditionsbetrieben hat in den letzten Jahren zugenommen. Erst kürzlich musste der nicht weniger bekannte „Waltershof“ Insolvenz anmelden. Ende 2021 schloss die „Alte Backstube“ in List für immer ihre Türen, und auch „Die Eiche“ in Tinnum ist Geschichte.
Die Gründe für dieses Gastronomie-Sterben sind vielschichtig und selten auf mangelnden Zuspruch zurückzuführen – an Gästen mangelt es auf Sylt bekanntlich nicht. Vielmehr kämpfen die Betreiber mit einer schweren Hypothek: akuter Personalmangel auf der einen und eine in die Jahre gekommene Bausubstanz auf der anderen Seite. Die Frage, ob man nach Jahrzehnten harter Arbeit noch einmal eine millionenschwere Investition tätigen soll, stellt sich vielen. Wenn dann noch ein Nachfolger in der eigenen Familie fehlt, wird der Verkauf des Grundstücks an finanzstarke Investoren zu einer sehr verlockenden Option.
Mit dem Abriss des „Rauchfang“ verliert Kampen nicht nur ein Restaurant, sondern ein Stück seiner Seele. Es bleibt abzuwarten, was an seiner Stelle tatsächlich entstehen wird und wie es das Gesicht des Ortes weiter verändern wird.
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