„Das Altersheim kann warten“ – Sylt rückt zusammen
Es sind oft die kleinen Dinge, an denen der Alltag hängen bleibt: der Termin beim Hausarzt, zu dem man nicht mehr so recht allein hinkommt. Die Packung Milch und das Brot, das irgendwo zwischen Sofa und Supermarkt plötzlich unerreichbar weit weg scheint. Oder das Smartphone, das die Enkel so gut gemeint geschenkt haben und das seitdem vor allem eines tut: verlässlich das Gegenteil von dem, was man möchte.
Für viele ältere Menschen auf Sylt sind solche Momente keine Kleinigkeiten. Genau hier setzt ein neues Angebot an, das so sympathisch wie naheliegend ist. Der Seniorenbeirat der Gemeinde Sylt und die Seniorenvertretung Wenningstedt-Braderup haben gemeinsam eine Nachbarschaftshilfe gegründet. Die Idee dahinter ist so alt wie das Inselleben selbst: Man hilft einander.
Hilfe mit Herz statt mit Formular
Freiwillige Alltagshelferinnen und Alltagshelfer bieten ihre Zeit an, ganz unkompliziert und ohne großes Tamtam. Sie begleiten zum Arztbesuch und warten notfalls geduldig mit im Wartezimmer. Sie übernehmen kleine Einkäufe, damit der Kühlschrank nicht zum Sorgenkind wird. Sie nehmen sich störrischer Technik an und erklären zum dritten Mal mit derselben Freundlichkeit, wo man auf dem Handy das Foto vom Urenkel wiederfindet. Und manchmal setzen sie sich einfach dazu und lesen etwas vor, ob Zeitung, Roman oder Lieblingsgedicht.
Gegen das Alleinsein
Fast noch wichtiger als die Einkaufstüte ist aber das, was nebenbei entsteht: ein Gespräch, ein Lachen, ein bekanntes Gesicht an der Tür. Denn wer älter wird, kennt oft ein Problem, das sich nicht mit einer Besorgung lösen lässt: die Einsamkeit. Die Nachbarschaftshilfe will deshalb nicht nur Dinge erledigen, sondern auch Menschen zusammenbringen. Eine Tasse Tee mit Gesellschaft schmeckt eben besser als jede allein getrunkene.
Zu Hause bleiben, so lange es geht
Das Ziel ist klar und herzerwärmend schlicht: Seniorinnen und Senioren sollen auf der Insel möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben können, mit Blick auf den vertrauten Garten, den eigenen Lieblingssessel und die Nachbarn von nebenan. Das Motto bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „Das Altersheim kann warten.“
Gesucht: Helfende Hände und offene Ohren
Die Nachbarschaftshilfe lebt von zwei Seiten. Gesucht werden Menschen, die Unterstützung gut gebrauchen können, und Menschen, die gern etwas von ihrer Zeit verschenken möchten. Man braucht dafür keine besonderen Qualifikationen, nur ein bisschen Geduld, Freundlichkeit und Freude am Miteinander. Wer anderen hilft, merkt übrigens schnell, dass er dabei selbst reich beschenkt wird.
So erreichen Sie die Nachbarschaftshilfe
Ansprechbar ist das Team montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr, zum Beispiel bei Helga Villhard unter 01515 6185384.
Wer lieber schreibt, erreicht die Nachbarschaftshilfe per E-Mail an Nachbarschaftshilfe-sylt@web.de.
Ein Anruf genügt, und schon ist die Insel ein kleines bisschen wärmer.
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