Zu viel Sturm für die Sturmklatsche
Die zweite Auflage des Sylter Klapprad-Rennens ist abgesagt. Der Wind hat die Ausschreibung offenbar zu wörtlich genommen.
Eigentlich sollte es heute um 11 Uhr an der Westerländer Promenade losgehen: die 2. Sylter Sturmklatsche, das Klapprad-Rennen der Insel. Daraus wird nichts, die Veranstaltung ist abgesagt.
Das hat eine gewisse Komik. Laut Ausschreibung auf sylt.de waren besonders widrige Wetterbedingungen ausdrücklich willkommen, die Fitness der Teilnehmenden dagegen eher Nebensache. Das Wetter hat sich daran gehalten und noch etwas draufgelegt. Für den Küstenbereich Nordfrieslands galt in der Nacht eine Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen, für den Vormittag eine Warnung vor Sturmböen und ab 13 Uhr eine vor schweren Sturmböen. Über Westerland liegt der Grundwind bei 36 bis 38 Knoten, in Böen bei 45. Das ist Windstärke 9. Ein Klapprad wiegt je nach Modell irgendwas zwischen Einkaufstüte und Kühlschrank, und bei 45 Knoten von der Seite wird aus jedem Fahrer ein Segel mit Pedalen.
Besonders schade ist es um das „Slow Race“. Dort gewinnt, wer die Strecke zwischen Musikmuschel und Crêperie am Meer am langsamsten schafft, ohne die Füße abzusetzen. Bei Gegenwind wäre das die einzige Disziplin gewesen, in der heute wirklich alle konkurrenzfähig gewesen wären. Bei Rückenwind hätte dagegen vermutlich der Strandübergang am Ende der Promenade den Zieleinlauf übernommen.
Ganz neu ist die Erfahrung für das Rennen übrigens nicht. Die Premiere fand am 25. Januar 2026 zum Abschluss der Sylter Sturmwoche statt, angekündigt als Klapprad-Rennen bei echtem Sturmwetter. Dass ausgerechnet die zweite Auflage am echten Sturm scheitert, gehört zu den Pointen, die man sich nicht ausdenken muss.
Die Klappstulle, die im Startgeld von 15 Euro enthalten gewesen wäre, bleibt damit heute im Kühlschrank. Die Klappräder bleiben im Keller, wo sie bei dieser Wetterlage ohnehin am besten aufgehoben sind. Wer sich angemeldet hatte, sollte auf eine Nachricht des Veranstalters achten.
Und alle anderen dürfen sich trösten: Die Sturmsaison auf Sylt hat gerade erst angefangen. Wind wird es wieder geben. Vielleicht beim nächsten Mal in einer Stärke, bei der Klappräder noch am Boden bleiben.
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