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Die Insel Sylt baut, und zwar nicht nur in Hörnum

Die Insel Sylt baut, und zwar nicht nur in Hörnum
Foto: Redaktion
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Der Hafen im Süden bekommt die Schlagzeilen. Dabei wird auf Sylt gerade an vielen Ecken gebaggert, geplant und beraten. Ein Rundgang von Süd nach Nord.

Wer in diesen Wochen nach Hörnum fährt, spürt so etwas wie kollektives Durchatmen. Der Hafen wird ausgebaut. Endlich, sagen die einen. Kaum zu glauben, sagen die anderen. Und beide haben recht. Rund 57,5 Millionen Euro soll das Projekt kosten, eine Summe, bei der man in einem Dorf mit gut tausend Einwohnern kurz die Nullen nachzählt. Für den kleinen Ort an der Südspitze ist das kein Bauvorhaben, das ist eine Jahrhundertentscheidung.

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Dass es so weit gekommen ist, hat eine lange Vorgeschichte. Gebaut wurde der Hafen in seiner heutigen Größe Ende der 1930er-Jahre von der Marine, später übernahm ihn der Bund, der ihn über Jahre hinweg Land, Kreis und Gemeinde anbot wie ein Erbstück, das keiner so recht auf dem Dachboden haben will. Land und Kreis winkten ab, nur Hörnum zeigte Interesse. Rund zwanzig Jahre wurde diskutiert, gerechnet und vertagt, bis sich eine Lösung abzeichnete: Der Bund überträgt den Hafen an die Gemeinde, das Land Schleswig-Holstein hat eine Beteiligung von bis zu 20 Millionen Euro zugesagt. Aus dem maroden Zweckbau soll ein maritimes Zentrum werden, ein Ort, an dem nicht nur Ausflugsschiffe anlegen, sondern das Dorf sein Gesicht zum Wasser hin zeigt.

Hörnum: Boomtown mit Baustellen

Hörnum als Boomtown zu feiern, ist völlig in Ordnung. Aber auch eine Boomtown hat ihre kleinen Sorgen. Der Campingplatz etwa wird über den Winter komplett abgerissen und neu gebaut. Wer dort im kommenden Jahr seinen Wohnwagen in die Dünen stellt, wird den Platz kaum wiedererkennen. Bis dahin heißt es: Bagger statt Brandungsrauschen.

Dann die Fußgängerzone, die bislang eher eine Fußgängerzone im Konjunktiv ist. Es fehlt nach wie vor der Poller, der Autos und Fahrräder draußen hält. Ein Schild allein, so lehrt die Erfahrung, beeindruckt nicht jeden. Das hat sich in der vergangenen Woche auch die Polizei angesehen, und zwar in Zivil. Das Ergebnis: reichlich Strafzettel für Auto- und Radfahrer, die geflissentlich übersehen hatten, wo sie da eigentlich unterwegs waren. Teures Lehrgeld, aber vermutlich wirksamer als jedes Hinweisschild.

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Gebaut wird außerdem am Steinwall, wo die Straße repariert wird. Diskussionen gibt es, wie überall auf der Insel, gratis dazu.

Westerland: Viel Arbeit, wenig Applaus

Während Hörnum im Rampenlicht steht, wird in Westerland eher im Halbschatten gearbeitet. Baustellen gibt es reichlich, nur nimmt sie kaum jemand als Fortschritt wahr, sondern eher als Umleitung. Geplant wird trotzdem eifrig, und zwar mit dem Unterschied, dass in der Gemeinde Sylt fast jedes Vorhaben durch eine ganze Reihe von Gremien wandern muss, bevor der erste Spaten in den Sand darf.

Das aktuelle Vorzeigeobjekt ist der Multipark am Südwäldchen. Auf dem Gelände des ehemaligen Sylt-Stadions entsteht ein Freizeitpark für alle Generationen. Skatepark, Streetball-Court und eine Graffiti-Box sind bereits in Betrieb, weitere Angebote sollen folgen. Wer an einem Nachmittag vorbeischaut, sieht, dass der Platz angenommen wird. Und wer die Planungsgeschichte kennt, weiß, wie viele Sitzungen in jedem einzelnen Quadratmeter Beton stecken.

Rantum und die vielen Schauplätze der Gemeinde Sylt

Auch in Rantum hat sich etwas getan, wenn auch erst einmal eine Nummer kleiner. Hinter der Kurverwaltung, gleich hinter dem Büro des Insel-Tourismus-Service, ist ein schöner neuer Spielplatz für die Kinder entstanden. Kein Projekt für die Titelseite, aber eines, über das sich Familien jeden Tag freuen.

Die Titelseite könnte Rantum dafür bald an anderer Stelle bekommen: an der Sylt Quelle, wo die Stiftung kunst:raum sylt quelle zu Hause ist. In diesem Jahr musste Rantum noch auf das Meerkabarett verzichten, doch es ist zurückgeholt worden und wird ab dem kommenden Sommer wieder dort stattfinden. Und wenn alles gut geht, folgt danach das Bauprojekt rund um die Sylt Quelle. Bis Ende 2027 soll dort ein großes Vorhaben realisiert werden, in dem sich Gastronomie und Kultur treffen. Die Ansätze, die bislang zu hören sind, klingen ausgesprochen kreativ. Wir sind gespannt. Damit hätte auch Rantum nachgezogen, und das Mineralwasser bekäme Gesellschaft.

Nicht vergessen sollte man dabei: Rantum gehört zur Gemeinde Sylt, ebenso wie Westerland, Tinnum, Keitum und Morsum. Dort gibt es viele solcher Vorhaben, Hauptschauplätze, Nebenschauplätze und eine ganze Reihe von Stellen, an denen es irgendwo hakt. Gesteuert wird das alles aus dem Westerländer Rathaus, und das ist keine kleine Aufgabe. Innovation gibt es eben nicht nur in Wenningstedt, in List oder in Hörnum, sondern auch in der Gemeinde Sylt. Sie fällt dort nur weniger auf, weil sie sich auf viele Orte verteilt.

Wenningstedt: Der leise Modernisierer

Bei aller Aufmerksamkeit für Süden und Mitte sollte ein Ort nicht vergessen werden: Wenningstedt. Gerade in den vergangenen zwei Jahren hat sich dort eine Menge getan, ohne dass viel Aufhebens darum gemacht wurde. Der Kapellenplatz wurde neu gestaltet, die Kurpromenade erneuert.

Besonders für Kinder und Jugendliche ist an der Sylt4Fun-Halle einiges passiert. Drinnen gibt es eine komplette Kletteranlage, draußen sind zwei Padel-Plätze entstanden, und zwar genau dort, wo vorher ein Tennisplatz vor sich hin gammelte. Padel, diese Mischung aus Tennis und Squash, ist gerade der Trendsport schlechthin, und Wenningstedt war schneller als manche Großstadt. Damit gehört das Dorf ohne Zweifel zu den innovativsten Orten der Insel.

Wer baut, wird kritisiert

Kritik kommt immer, das gehört dazu. Wer etwas anpackt, macht auch Fehler, und für die muss er sich dann öffentlich rechtfertigen. Wer dagegen gar nichts tut, richtet auf lange Sicht den größeren Schaden an. Nur fällt die Kritik daran viel leiser aus, weil sich über eine Baustelle, die es nie gab, schlecht schimpfen lässt.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum mancher Politiker große Vorhaben lieber gar nicht erst anfasst. Stillstand ist bequemer. Umso mehr Respekt verdienen diejenigen, die sich trotzdem trauen, ob im Hörnumer Gemeinderat, im Westerländer Rathaus oder in Wenningstedt.

Gemeinsam statt jeder für sich

Legt man den Hörnumer Hafen und den Multipark in Westerland nebeneinander, fällt auf, wie ähnlich sich die beiden Projekte sind, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick wirken. Beide haben eine lange Vorgeschichte. Bei beiden hat es viele Jahre gedauert, bis aus Ideen Pläne und aus Plänen Baustellen wurden. Und bei beiden sind Menschen über Jahre drangeblieben, als es noch keine Fotos mit Schaufeln und Bauhelmen gab.

Insofern lohnt sich der Blick über den eigenen Ortsrand hinaus. Ob Hafen im Süden, Spielplatz und Sylt Quelle in Rantum, Multipark in der Mitte oder Kletterwand im Norden: Die Insel entwickelt sich weiter, und zwar gemeinsam, nicht jedes Dorf für sich. Das ist vielleicht die eigentliche gute Nachricht dieses Herbstes. Die Baustellen gibt es kostenlos dazu.

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