Der für Mittwoch, 02.09., um 20.00 Uhr im Kursaal Rantum geplante Filmvortrag „DGzRS – Die Seenotretter“ muss aufgrund eines technischen Defekts leider entfallen.
Der Insel Sylt Tourismus-Service bittet um Verständnis.
Seenotretter auf Sylt: Was in List und Hörnum passiert, wenn das Funkgerät knackt
Zwei Stationen, ein paar Dutzend Menschen, 3.660 Kilometer Küste im Rücken und eine Nordsee vor der Nase, die zweimal am Tag ihre Meinung ändert. Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sind auf Sylt an beiden Enden der Insel zu Hause: im Lister Hafen ganz im Norden und in Hörnum ganz im Süden. Dazwischen liegen Wattflächen, Priele, Brandungszonen und im Sommer eine erstaunliche Menge Menschen auf schwimmfähigem Gerät.
List: PIDDER LÜNG, seit 1882
Die Station List ist die nördlichste der DGzRS in Schleswig-Holstein und älter als vieles auf der Insel: gegründet 1882. Seit Dezember 2013 liegt hier die PIDDER LÜNG, ein Seenotrettungskreuzer der 20-Meter-Klasse. 19,90 Meter lang, 22 Knoten schnell, und mit 1,30 Metern Tiefgang so flach gebaut, dass sie dorthin kommt, wo das Wattenmeer eigentlich nein sagt. An Bord hängt im Heck ein Tochterboot namens MICHEL, benannt nach der Hamburger Kirche.
Sieben fest angestellte Seenotretter und sechs Freiwillige teilen sich die Station, drei sind immer im Dienst und hören mit. Alarmiert wird aus Bremen, von der Seenotleitung, die rund um die Uhr besetzt ist. Das Revier reicht von der offenen Nordsee im Westen bis zum nordfriesischen Festland, hoch bis zur dänischen Insel Rømø und hinunter zum Hindenburgdamm. Einsätze über die Grenze hinweg, gemeinsam mit den dänischen Kollegen, gehören zum Alltag. Vormann in List ist Felix Reder.
Der Name des Kreuzers ist eine Sylter Angelegenheit: Pidder Lüng war der Sage nach ein Fischer aus Hörnum, dem Detlev von Liliencron 1892 eine Ballade gewidmet hat. Der Legendenträger stammt also aus dem Süden der Insel, das Schiff liegt im Norden. Auf Sylt regelt man solche Fragen pragmatisch.
Hörnum: HORST HEINER KNETEN, seit 1936
Am anderen Ende der Insel liegt die HORST HEINER KNETEN, ein Seenotrettungsboot von 10,10 Metern Länge, 320 PS, bis zu 18 Knoten, seit dem 24. April 2006 im Dienst. Gefahren wird sie von rund zehn Freiwilligen — Menschen mit einem normalen Beruf, einem Pieper und der Bereitschaft, das Mittagessen stehen zu lassen.
Die Station Hörnum gibt es seit 1936, mit einer Pause zwischen 1961 und 1971, in der niemand hier stationiert war. Ihr Revier ist anspruchsvoll gemischt: im Osten weites Watt, im Westen und im Seegatt zwischen Sylt und Amrum Zonen mit kräftiger Brandung und Strömung. Wer dort einmal bei auflaufendem Wasser gestanden hat, versteht, warum das Boot flach und wendig sein muss.
Der Name gehört zu den schönsten Geschichten der ganzen Flotte. Horst Heiner Kneten war Ingenieur, langjähriger Förderer der Seenotretter, und er starb 2004. In seinem Testament hatte er die DGzRS bedacht. Zwei Jahre später fuhr ein Boot mit seinem Namen nach Hörnum. Heldentum kann auch so aussehen: ein Erblasser aus Wilhelmshaven, der nie am Ruder stand und trotzdem seit zwanzig Jahren mitfährt.
Kein Cent vom Staat
Die DGzRS wurde 1865 in Kiel gegründet und finanziert sich bis heute ausschließlich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Erbschaften und Zuwendungen der Schifffahrt. Öffentliche Mittel bekommt sie keine. Rund drei Viertel der Einnahmen stammen von Spenderinnen und Spendern, ein guter Teil des Restes aus den Sammelschiffchen, die auf Tresen, in Hotelfoyers und an Fährkassen stehen. Ungefähr 13.000 dieser kleinen roten Rettungsboote sind bundesweit im Umlauf, und sie tun das seit 150 Jahren. Die Gesellschaft selbst hat 2025 ihr 160-jähriges Bestehen begangen.
Die Zahlen für 2025: mehr als 1.700 Einsätze, rund 3.400 Menschen, denen die Seenotretter geholfen haben. 135 davon wurden aus Seenot gerettet, 327 aus drohender Gefahr befreit. Seit 1865 summiert sich das auf etwa 87.770 Menschen. Getragen wird das von 55 Stationen, rund 60 Rettungseinheiten, 279 festen Mitarbeitern und etwa 800 Freiwilligen.
Wen man wann ruft
Am bewachten Badestrand sind die Rettungsschwimmer der DLRG zuständig. Sobald es aufs Wasser hinausgeht, übernimmt die Seenotleitung Bremen. Erreichbar ist sie rund um die Uhr:
- Telefon +49 421 536 87 0
- vom Handy an der Küste die Kurzwahl 124 124 — bei aktuellen Smartphones wird der Standort dabei automatisch übermittelt
- über Funk UKW-Kanal 16, Rufname „Bremen Rescue“, DSC auf Kanal 70
- über 112 mit der Bitte, zum MRCC Bremen durchzustellen
Für Wassersportler empfehlen die Seenotretter zusätzlich ihre App SafeTrx, die den Törn mitzeichnet und im Ernstfall Alarm auslöst. Kostet nichts, wiegt nichts, und ist an dem Tag, an dem der Motor ausgeht, das Beste auf dem Boot.
Ein Hinweis, den die Crews immer wieder loswerden müssen: lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät. Ein Einsatz, der sich als harmlos herausstellt, ist für die Besatzung ein normaler Vormittag. Ein Anruf, der zwanzig Minuten zu spät kommt, ist etwas anderes.
Einmal im Jahr darf man an Bord
Am letzten Sonntag im Juli öffnen die Seenotretter bundesweit ihre Stationen. In List war das zuletzt am 26. Juli 2026, von 11 bis 17 Uhr am Hafen, mit Open Ship auf der PIDDER LÜNG und der HORST HEINER KNETEN, einer Rettungsübung im Hafenbecken und Vorträgen im Erlebniszentrum Naturgewalten. Wer wissen will, wie eng es auf einem Seenotrettungskreuzer tatsächlich zugeht, sollte sich den Termin für nächstes Jahr vormerken.
Bis dahin gilt die einfachste Form der Unterstützung, die es gibt: das Sammelschiffchen auf dem Tresen. Es steht dort nicht zur Dekoration.
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