Der Satz stammt nicht von einem Instagram-Reisenden, sondern ist der Titel eines Dokumentarfilms – und man muss zugeben: Als Sylt-Zusammenfassung in zwölf Worten ist er schwer zu schlagen.
Am Sonntag, 13. September 2026, um 18 Uhr zeigt das Sylt Museum den Film von Annette Ortlieb aus dem Jahr 2013. Er führt zurück in die Zeit zwischen 1905 und 1930, also in jene Jahre, in denen Sylt gerade dabei war, das zu werden, was es heute ist, es aber noch nicht wusste.
Erzählt wird das Inselleben von drei Frauen: Marga Barake, Herta Findeisen und Laura Kerwin, drei Inseltöchter, deren Erinnerungen den Film tragen. Dazu über 100 historische Sylt-Fotografien, der Großteil davon bis dahin unveröffentlicht. Was daraus entsteht, ist – laut Ankündigung, und die Aufzählung ist zu gut, um sie zu kürzen – ein Film über „Küsse und Handgranaten, Rumfässer und betrunkene Kinder, den weiten Himmel und das gefrorene Meer“.
Man sollte kurz innehalten bei „betrunkene Kinder“. Es ist eine Erinnerung daran, dass das raue, karge Inselleben, das heute so gern als Sehnsuchtsort verkauft wird, für die Menschen, die es lebten, in erster Linie rau und karg war. Der Wohlstand kam später, und er kam mit der Eisenbahn.
Nach der Vorführung gibt es ein Gespräch mit der Filmemacherin. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter info@soelring-foriining.de wird gebeten – wobei „Eintritt frei“ bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung erfahrungsgemäß bedeutet, dass man sich besser vorher meldet als nachher ärgert.
Und der Titel? Der bleibt der beste Teil. Er beschreibt einen Menschentyp, den es 1905 vermutlich schon gab und den man heute an jedem schönen Sommerabend am Lister Hafen beobachten kann: weit gereist, gut informiert, und die letzten zwölf Kilometer der eigenen Insel dann doch nie gefahren.



