Wenningstedt-Braderup/Sylt. Am Ende zählte nur das Ergebnis. Der SC Norddörfer hat sein erstes Spiel der neuen Saison gewonnen, 1:0 gegen den TSV Klixbüll, am Freitagabend auf dem Rasen am Sportplatz Norddörfer. Getroffen hat Moritz Till Masekowsky in der 64. Minute. Ein Fußballfest war das nicht. Aber es waren drei Punkte. Und drei Punkte mussten her.
Der Druck war von der ersten Minute an da. Der SCN geht als Absteiger in die Kreisklasse A1, vor der Saison war auf der Insel viel von der Mission Wiederaufstieg die Rede, und zum Auftakt kam ausgerechnet eine Mannschaft, die im vergangenen Jahr selbst bis zuletzt gegen den Abstieg gespielt hat. Absteiger gegen Fastabsteiger: Ein Sieg war Pflicht, und das wusste an diesem Abend jeder auf dem Platz.
Entsprechend forsch begannen die Gastgeber. Beinahe hätte es früh geklappt. Masekowsky war im Gestocher im Fünfmeterraum schon am 1:0 dran, ehe Klixbüll den Ball doch noch aus der Gefahrenzone bekam.
Danach folgten 90 Minuten für den echten Kreisklassenliebhaber. Klixbüll befreite sich Mal um Mal mit langen Bällen, ging in jeden Zweikampf und machte es dem SCN kämpferisch so unbequem wie möglich. Ein wirkliches Mittel dagegen fanden die Norddörfer den ganzen Abend über nicht. In der erste Hälfte waren die Klixbüller das bessere Team und erspielten sich sich Möglichkeiten. In der zweiten Halbzeit wurde von SCM phasenweise Fußball gespielt.
Was funktionierte, waren die Einzelnen. Luigi Caglia spielte seine Routine aus und machte vorne die Bälle fest. Masekowsky tat das, was er schon in der A-Jugend bei Team Sylt getan hat: Er kämpfte, stocherte, ging in jeden zweiten Ball hinein und kam irgendwie immer wieder an den Ball. Lange blieb das ohne Wirkung.
Bis zur 64. Minute. Da war er dann eben doch zur Stelle. Leo Kämmer soeilt den Ball in den freien Raum und Masekowsky trifft zum umjubelten 1:0, das erste Saisontor des SC Norddörfer, erzielt von einem der Neuzugänge dieses Sommers.

Auffällig war an diesem Abend außerdem Leo Laurin Kämmer. Dem Neuzugang aus Gütersloh war anzusehen, welches Potenzial da schlummert: technisch brillant, in der Ballbehandlung eine eigene Klasse, aber eben noch nicht bei hundert Prozent.
Womit man beim eigentlichen Thema des Abends wäre. Die Vorbereitung war zu kurz, und das galt für die gesamte Mannschaft. Hochsaison auf Sylt bedeutet nun einmal, dass viele Spieler im Sommer schlicht nicht zum Training kommen. Mit Baran Eker und Sharif fehlten wegen Trainingsrückstands gleich zwei Stammspieler der Aufstiegssaison.
Die Zahl der Abgänge ist überschaubar, aber die beiden Mittelfeldmotoren Louis Hoppe und Eyke Rehm haben an diesem Freitag spürbar gefehlt. Hoppes Technik und Rehms Mentalität, keinen Ball verloren zu geben, wären gegen dieses Klixbüll genau die Faktoren gewesen, die dem SCN geholfen hätten.
Trainer Nick Erdmann reagierte und wechselte in der zweiten Hälfte dreimal. Mit Matthias Petersen kam der nächste Neuzugang aufs Feld und machte seine Sache souverän. Nicholas Asiedu Okyere Manford und Arne Spiegel brachten in der Schlussphase noch einmal Schwung: Manford überlief die gegnerische Abwehr das eine oder andere Mal. In der 75. Spielminute spielte Masekowsky einen Traumpass auf Spiegel, der seinem Gegenspieler enteilt – aber an Torwart Özdemir scheitert. Manford trifft im Anschluß die Latte.

Ein Anrennen der Gäste gab es zum Schluss nicht. Stattdessen ein Kleinkrieg: hart umkämpft, viele kleine Fouls, ein Spiel, das kaum noch in Fluss kam. Auffällig war dabei, dass die Klixbüller bei Standards ins Schwimmen gerieten. Da wäre für die Norddörfer mehr drin gewesen. Jan-Malte Thöming und die Abwehr hielten die Null bis zum Schlusspfiff. Kurz zuvor noch ein Aufreger, als Leonardt aus Abseitsposition beinahe das 1:1 erzielt hätte, jedoch an Thöming und dem Pfiff des Schiedsrichters scheiterte.
Wie so vieles an diesem Abend blieb es Stückwerk. Aber, und das ist am ersten Spieltag das Entscheidende: Am Ende standen drei Punkte, eine weiße Weste hinten und eine Mannschaft, die sich über 90 Minuten gegenseitig angefeuert und als Team aufgetreten ist. Dieser Sieg war verdient.

So sah es nach dem Abpfiff auch der Trainer. „Ein wichtiger Sieg zum Auftakt“, sagte Nick Erdmann. „Das Team hat gezeigt, dass der Wille da ist. Auch wenn die Beine schwer sind.“
Beim Thema Saisonziel bremst Erdmann allerdings. „Ich würde uns nicht als Aufstiegskandidat sehen, speziell nach dem Abstieg der letzten Saison. Aber ich sehe uns im oberen Mittelfeld der Liga.“
Hoffnung macht ihm vor allem der Blick auf den Herbst. „Wir haben noch einige gesperrte Spieler. Wenn die im November wieder spielen dürfen, haben wir auch im Hinblick auf die Kadergröße Alternativen. Das ist, was letzte Saison gefehlt hat. Wir haben am Ende der letzten Saison den Glauben an uns verloren.“
Wo er recht hat, hat er recht. Die Qualität war da, auch an diesem Freitag, wenn auch nur in Ausschnitten. Auf ein Neues.
Das komplette Spiel gibt es heute in voller Länge auf unserem Sportkanal.
























Die Aufstellung des SC Norddörfer
Jan-Malte Thöming (1, Tor), Tom Bennet Langmaack (4), Leo Laurin Kämmer (7), Moritz Piossek (8, Kapitän), Moritz Till Masekowsky (10), Bendix Bussius (15), Philipp Ferchen (16), Florian Bendrich (18), Maximilian Brachtendorf (25), Luigi Caglia (28), Jan-Luka Thevagt (29).
Eingewechselt: Matthias Petersen (21), Nicholas Asiedu Okyere Manford (17), Arne Spiegel (20). Weiter im Kader: Jan Niklas Wolff (9), Finn-Lasse Bunn (22), Alexander Adriaan Leuschel (27).
Trainer: Nick Erdmann.
Neuzugänge: Luigi Caglia, Moritz Till Masekowsky, Matthias Petersen und Leo Laurin Kämmer (aus Gütersloh).
Tor: 1:0 Moritz Till Masekowsky (64.).





