Willkommen im intellektuellen Teil Ihres Urlaubs. Ja, Sylt hat neben exzellenter Gastronomie und stürmischen Stränden tatsächlich auch eine tiefgreifende Geschichte zu bieten. Schnallen Sie sich an für eine kleine Zeitreise mit charmantem Augenzwinkern.
Wohnen wie früher
Werfen wir einen Blick in die Keitumer Heimatmuseen. In zwei nah beieinander liegenden Häusern wird anschaulich gezeigt, wie die Insulaner früher lebten. Haben Sie sich jemals gefragt, was ein „Alkoven“ ist oder was im ominösen „Pesel“ passierte? Oder warum die alten Friesen die Nacht lieber sitzend verbrachten? Das Altfriesische Haus aus dem Jahr 1640 und das Sylt Museum klären Sie gerne auf. Wem das zu weitläufig ist, der sieht sich im Keitumer Feuerwehrmuseum an, wie man stolze 150 Jahre Feuerwehrgeschichte auf kuscheligen 60 Quadratmetern komprimiert.
Pragmatismus bis in den Tod
Die Sylter waren schon immer ein ungemein praktisches Völkchen. Bevor der „Friedhof der Heimatlosen“ 1854 etwas außerhalb von Westerland angelegt wurde, hat man angespülte Seeleute oft einfach dort in den Dünen verscharrt, wo sie gestrandet sind. Heute ruhen auf dem offiziellen Friedhof 55 unbekannte Seeleute. Wer es noch historischer mag, entdeckt auf drei verschiedenen Touren die nordfriesischen Hünengräber – also Megalithgräber – der Insel.
Gotteshäuser mit Charakter
Die Inselkirchen haben alle ihren eigenen Kopf. St. Severin in Keitum ist der Platzhirsch: Ihr ältester Teil stammt aus dem 12. Jahrhundert, und sie ist als Wahrzeichen schon vom Bahndamm aus zu bewundern. Die Schwesterkirche St. Martin in Morsum war bescheidener und hat statt eines massiven Turms einen hölzernen Glockenstapel bekommen. Und das weiße Gebäude in Hörnum, das wie ein Segel aussieht, ist die jüngste Kirche St. Thomas, erbaut 1969/70. Musikalisch gibt es hier ordentlich was auf die Ohren – etwa bei den hochkarätigen Mittwochskonzerten in St. Severin.
Kultur für die Massen
Für das Abendprogramm bietet der Alte Kursaal am Rathausplatz in Westerland Theater, Kabarett und Musicals in historischer Atmosphäre. Wer moderne Architektur mag, weicht ins Congress Centrum Sylt direkt an der Strandpromenade aus. Der Geheimtipp ist die Musikmuschel: sommerliche Konzerte, Sundowner und „Rhythm & Beats“ direkt am Meer – bei Vorlage der Gästekarte völlig kostenfrei.
Die heimlichen Herrscher der Tradition
Wer hält diesen kulturellen Zirkus zusammen? Der 1906 gegründete Verein Sölring Foriining. Mit rund 2.500 Mitgliedern kümmern die sich um Brauchtum, die sylterfriesische Sprache, Landschaftspflege und Küstenschutz. Und nebenbei betreiben sie noch das Sylt Museum, das Altfriesische Haus, den Denghoog und die Vogelkoje in Kampen. Legen Sie sich also besser nicht mit ihnen an.
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📚 Buchtipp
Söl. Ich. – Ein Geständnis der Insel Sylt. Von Alex Lenz, fotografiert von Nick Bosch, illustriert von Lotte Dänner. Das Buch führt an 99 Orte auf Sylt – vom Ellenbogen bis Hörnum, von der Blidselbucht bis zum Friedhof der Heimatlosen. Kein Reiseführer – ein Geständnis. 19,90 Euro, Subskriptionspreis. Jetzt bestellen.
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