Notfallnummern
Sylt 12°C SYLT1 Audio Live TV
Freitag, 30. Oktober 2026 Westerland auf Sylt
TV Sender Sylt1 MagentaTV · Vodafone · Livestream
Live
Sylt News

Multipark Eröffnung – Die Insel Sylt spricht…

Multipark Eröffnung - Die Insel Sylt spricht...
Foto: Redaktion
Merken

Heute ist es soweit. Gernot, Angelo und all die anderen, die so hart gekämpft haben, werden heute morgen mit einem Glücksgefühl aufgewacht sein. Dem Gefühl viel Zeit und Leidenschaft geopfert zu haben. Für eine große Sache. Und dem Gefühl es vollbracht zu haben.

Anzeige

Normalerweise veröffentlich man nicht ganze Kapitel aus einem noch im Druck befindlichen Buch, doch der Anlass ist es wert. Die Eröffnung des ersten Teils des Multiparks hat unsere Insel zum Nachdenken gebrachten. Hier also das Kapitel Multipark aus dem Buch Söl. Ich. Ein Geständnis… Das ganze Buch könnt ihr unter www.sylt1shop.de bestellen.

Und natürlich darf ein Film nicht fehlen… Den haben wir übrigens vor Jahren mal aufgenommen…

Anzeige

Kapitel 69 – Der Multipark – Was ich meiner Jugend schulde

Ich habe ein Problem mit meiner Jugend.

Nicht mit der Jugend, die im Sommer kommt — die mit den Surfboards auf

den Dachträgern und den Eltern, die ein Ferienhaus gemietet haben und am

Sonntagabend wieder fahren. Die kenne ich. Die mag ich. Die geht wieder.

Ich meine meine eigene Jugend. Die, die hier aufgewachsen ist. Die, die weiß,

wie der November riecht, wenn die Boutiquen geschlossen haben und der

Wind auf der Friedrichstraße endlich allein ist. Die, die im Winter surft, weil

es im Winter die besten Wellen gibt und weil niemand da ist, der Fotos

macht.

Die verliere ich.

Ein Kind, das auf mir aufwächst, lernt früh, was Wasser ist. Nicht als Kulisse

— als Tatsache. Die Nordsee ist keine Urlaubskulisse, wenn man jeden

Morgen an ihr vorbeifährt. Sie ist Wetter. Sie ist Stimmung. Sie ist der Grund,

warum Schule manchmal ausfällt, und warum man nie vergisst, woher man

kommt.

Die Sylter Kinder, die surfen, haben etwas, das man nicht kaufen kann. Sie

kennen meine Wellen von innen. Sie wissen, welche Stelle vor dem

Brandenburger Strand die Dünung anders bricht als hundert Meter weiter.

Sie haben das nicht aus einem Kurs gelernt. Sie haben es im November

gelernt, im Nieselregen, mit einem Neopren, das noch feucht war vom

Vortag. Und dann werden sie älter. Und eine Wohnung auf mir kostet, was

eine Wohnung auf mir kostet. Und sie gehen. Manche kommen zurück —

wenn sie Geld haben, wenn sie ein Erbe antreten, wenn das Leben sie mit

Umwegen zurückführt. Aber die meisten gehen und kommen nicht wieder.

Sie bauen ihr Leben woanders auf, weil hier kein Platz mehr für sie war. Das

ist der Verlust, den keine Statistik erfasst: nicht die Zahl der Abgemeldeten,

sondern das Wissen, das mit ihnen geht. Die Stellen im Wasser, die Wege

durch die Heide, die Stimmen, die meine Sprache kennen.

Diesen Preis zahle ich seit Langem, ohne ihn je bewusst beziffert zu haben.

Jedes Jahr verliere ich Menschen, die mich wirklich lieben, und ersetze sie

durch Menschen, die mich besuchen oder für ein oder zwei Jahre bleiben. Ein

Insulaner geht, ein Gast kommt, und mein Gedächtnis wird ein Stück

dünner. Ich merke es erst jetzt richtig.

Früher gab es den Bastianplatz. Einen roten Hartplatz aus kleinen Steinen,

die sich in die Knie bohrten, wenn man fiel. Und man fiel. Im Sommer der

Staub. Im Winter der gefrorene Boden und niemand, der aufhörte.

Er ist weg. Wohnhäuser stehen jetzt dort. Eine Insel, die sich selbst nicht

mehr leisten kann, hat immer weniger Raum für das, was keine Rendite

bringt. Der Bastianplatz brachte keine Rendite. Er brachte Kinder, die lernten,

zu fallen und aufzustehen. Das zählt in keiner Bilanz.

Zwischen dem Sylter Aquarium und dem Südwäldchen entsteht jetzt etwas.

Ein Skatepark. Ein Multifunktionsgebäude. Sportanlagen. Kein Provisorium

— etwas, das sagt: ihr seid hier. Ihr gehört hier hin. Nicht als Kulisse für

einen Prospekt, sondern als Menschen, die morgen noch da sind, wenn die

Hochsaison geht.

Ein Skatepark und die Sportplätze sind keine große Geste. Er ist ein

konkreter Satz. Er sagt: Hier darf jemand Lärm machen, der nicht für Gäste

gemacht ist. Hier darf jemand fallen und aufstehen, ohne dass es eine Story

für Instagram wird. Hier darf Jugend einfach Jugend sein — laut, unfertig,

nicht für andere. Auf einer Insel, die sich so teuer verkauft wie ich, ist das

höchst selten. Es ist eine Entscheidung, die ich hätte früher treffen sollen.

Wenn ich sie denn hätte treffen dürfen.

Ich habe Kasernen gesehen, die zu Quartieren wurden. Kurparks, die zu

Urwäldern wurden. Fährhäuser, die zu Hotels wurden. Alles wird

irgendwann etwas anderes — meistens für die, die von außen kommen und

kaufen können.

Was ich selten gesehen habe: dass etwas wird, was denen bleibt, die schon da

sind.

Das ist es, was dieser Platz sein soll. Kein Denkmal. Kein Aushängeschild.

Nur ein Ort, auf dem meine Jugend — die echte, die winterliche, die salzige

— bleibt. Die nicht geht, weil hier endlich etwas für sie da ist. Das schulde ich

ihr. Ich schulde ihr mehr als das. Aber das ist ein Anfang. Und Anfänge

zählen auf einer Insel, die gelernt hat, dass fast alles irgendwann

weggeschwemmt wird — außer dem, was man rechtzeitig festgebaut hat.

↳ Nicht als Tourist hinfahren. Als jemand, der versteht, warum dieser Ort

nicht für den Sommer gebaut wurde.

Multipark Westerland, Beim Südwäldchen, 25980 Westerland, Sylt

Unsere Partner

Tourismuspartner
Autosponsor
Fashion Sponsor

Mehr aus Sylt News alle Beiträge