Sylt News
Die Häfen von Sylt – Wo das Herz vor Anker geht

Wer an Sylt denkt, hat meistens die tosende Brandung im Westen im Kopf, wo die Wellen so hoch sind wie die Immobilienpreise. Doch die wahre maritime Seele der Insel, die schlägt ganz woanders: auf der Wattseite. Hier, wo das Meer sich alle sechs Stunden eine kleine Pause gönnt, reihen sich unsere Häfen auf wie Perlen an einer Schnur – manche poliert und glänzend, manche herrlich rau und einige, nun ja, die muss man mit dem Herzen suchen, weil das Watt sie sich zurückgeholt hat. Hier unser Video…
Fangen wir im hohen Norden an, wo der Lister Hafen den Takt angibt. Er ist so etwas wie der „Hauptbahnhof“ der guten Laune. Hier brummt das Leben, hier duftet es nach Salz, Diesel und den wohl berühmtesten Fischbrötchen der Republik. Es ist das Tor zu Dänemark, wo die großen Fähren sich majestätisch durchs Wattenmeer schieben, während drumherum ein buntes Treiben herrscht, das fast schon städtisches Flair versprüht. Wer Trubel mag und Schiffe gucken will, ohne das Fernglas auszupacken, ist hier goldrichtig.
Ganz anders, aber mit mindestens genauso viel Charakter, präsentiert sich der Süden. Der Hörnumer Hafen ist der ehrliche Arbeiter unter den Insel-Häfen. Hier liegen die Muschelkutter, hier riecht es nach echter Arbeit und Abenteuer. Wenn man hier steht und den Blick Richtung Amrum und Föhr schweifen lässt, spürt man diesen ursprünglichen Charme, den keine schicke Boutique ersetzen kann. Hörnum macht sich nicht hübsch, Hörnum ist einfach schön – auf seine ganz eigene, raue Art.
Wer es etwas gediegener mag, der schlendert in Munkmarsch vorbei. Man mag es kaum glauben, aber bevor der Hindenburgdamm die Insel an die Leine legte, war hier das Nadelöhr zur Welt. Die feinen Damen und Herren kamen hier mit dem Raddampfer an. Heute ist es der Parkplatz für die weißen Träume aus GFK und Teakholz. Der private Yachthafen liegt da wie eine Diva im Mittagsschlaf – elegant, ruhig und mit einer Aussicht, die jeden Stresspegel sofort auf Null senkt.
Und dann ist da noch der Rantumer Hafen, unser kleines Dornröschen. Er ist so unscheinbar, dass man fast an ihm vorbeifährt, aber genau das macht ihn so liebenswert. Kein Schnickschnack, keine große Show, nur ein paar Poller, Wasser, Schlick und eine Ruhe, die man in Dosen abfüllen und verkaufen müsste.
Aber Sylt wäre nicht Sylt, wenn wir nicht auch Geschichten von großen Träumen und pragmatischen Lösungen hätten. Werfen wir einen liebevollen Blick zurück nach Keitum. Das Dorf der Kapitäne wollte im 19. Jahrhundert hoch hinaus und baute sich einen eigenen Hafen für den Heringsfang. Doch die Keitumer hatten die Rechnung ohne den „Blanken Hans“ gemacht. Das Hafenbecken versandete schneller, als die Reusen geleert werden konnten. Heute ist dort grüne Wiese und Schilf – ein Mahnmal dafür, dass die Natur am Ende doch den längeren Atem hat. Aber sind wir ehrlich: Es macht das Kapitänsdorf nur noch charmanter.
Und schließlich war da noch Morsum, genauer gesagt die Nösse-Spitze. Die Morsumer waren schon immer die Pragmatiker der Insel. Wozu teure Kaimauern bauen? Man nannte es Hafen, aber eigentlich war es pure Improvisationskunst. Schiffe fuhren bei Hochwasser ran, ließen sich bei Ebbe einfach trockenfallen, und dann kamen die Pferdefuhrwerke übers Watt gerumpelt. Das war Logistik „on the rocks“ – oder besser „on the mud“. Ein Hafen, der nur existierte, wenn das Wasser weg war.
So sind sie, unsere Sylter Ankerplätze: Mal laut, mal leise, mal verschwunden – aber immer einen Besuch wert.
























































































































