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Der Sack im Kofferraum: Sylts textiles Endspiel
Man kennt das auf Sylt: Man leiht sich das Auto der Mutter, und als kleine Gegenleistung soll man „mal eben“ den Sack Altkleider im Container entsorgen. „In der Waldstraße steht einer“, hieß es. Doch wer heute in der Waldstraße sucht, findet nichts als gähnende Leere auf dem Asphalt. Der Altkleidersack im Kofferraum ist mittlerweile zum Running-Gag avanciert, ein treuer Begleiter auf dem Beifahrersitz, der vermutlich eher vererbt als entsorgt wird.
Das Brüsseler „Katze-Maus-Prinzip“
Willkommen in der Welt der modernen Regulatorik. Das Prinzip scheint simpel: Hast du zu viele Mäuse, kauf eine Katze. Hast du zu viele Katzen, kauf einen Hund. In Brüssel nennt man das „Kreislaufwirtschaft“. Man reguliert den Onlinehandel, um den Einzelhandel zu stützen, nur um dann festzustellen, dass man den Onlinehandel durch neue Auflagen so sehr torpediert hat, dass man sich für den stationären Handel direkt die nächste Katastrophe ausdenken muss.
Das neueste Meisterwerk: Die getrennte Textilsammlung ist seit 2025 Gesetz. Eine noble Idee, doch auf Sylt prallt sie ungebremst auf die harte Realität des Hindenburgdamms.
Billigschrott und teure Logistik
Wir leben in einer Zeit, in der Textilien aus Bangladesch, Pakistan oder China so billig auf den Markt geworfen werden, dass sie nach drei Wäschen ihre Form verlieren. Diese „Fast Fashion“ landet dann dort, wo sie laut EU eigentlich nicht hin darf: im Restmüll. Doch halt! Brüssel hat das verboten. Die Gemeinde soll es nun richten.
Doch wie sortiert man Billigschrott wirtschaftlich auf einer Insel? Gar nicht. Die privaten Entsorger haben längst kapituliert, weil die Logistikkosten den Wert der Lumpen bei weitem übersteigen. Übrig bleibt ein einziges textiles Nadelöhr: Der Container am Geschwister-Scholl-Weg.
Ironie der sozialen Einstellung
Und hier offenbart sich die wahre Sylter Tragik. Statt den letzten verbliebenen Container als wertvolle Ressource zu schützen, nutzen ihn einige Zeitgenossen als private Mülldeponie. Die Ironie ist fast schon schmerzhaft: Man entsorgt die Altkleider zwar nicht illegal im Hausmüll, dafür nutzt man den Altkleidercontainer für den illegalen Hausmüll. Eine soziale Einstellung, die so löchrig ist wie eine Socke nach einer Saison Wandern am Ellenbogen.
Die Lösung? Eine Tonne kommt selten allein
Was wäre die Konsequenz? Eine fünfte Tonne vor dem Friesenhaus? Nach Restmüll, Plastik, Papier und Bio nun auch noch die „Textiltonne“? Das würde zwar Brüssel glücklich machen, löst aber das Kernproblem nicht: Jemand muss den Berg aus Polyester und Mischgewebe sortieren. Und am Ende zahlt es – wer wohl? – der Bürger über die Gebühren.
Die Endlosspirale
Die Lösung wäre einfach: Teure, langlebige Kleidung kaufen. Doch in einer Welt, in der sich viele den Sylter Einzelhandel kaum noch leisten können, bleibt oft nur der Klick im Netz – und damit der Nachschub für den nächsten Altkleidersack.
Vielleicht bringe ich den Sack im Kofferraum doch noch zum Geschwister-Scholl-Weg zur AWO. Dort sitzen wenigstens noch Menschen, die den Wert der Dinge schätzen. Und für alle anderen bleibt die Hoffnung, dass Brüssel als nächstes eine Verordnung gegen zu volle Kofferräume erlässt.
Ein Kommentar von Alexander Lenz
