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Blackout in Morsum: Wenn der Bahnhof zum Abenteuerspielplatz wird
Morsum ist ja eigentlich bekannt für seine grenzenlose Ruhe, seine stolzen Reithöfe und die weiten Wiesen. Seit gestern Abend bietet der Bahnhof des Dorfes allerdings ein ganz neues, exklusives Erlebnis-Feature an: Die nordfriesische Nacht-Blindverkostung bei knackigen minus zwei Grad. Die Lichter waren komplett aus, und wer hier aus der Regionalbahn stieg, fand sich nicht einfach auf einem Bahnsteig wieder, sondern mitten in einer physikalisch-philosophischen Fragestellung: Existiert der Boden eigentlich noch, wenn ich ihn nicht mehr sehe und er sich unter meinen Füßen in eine spiegelglatte Eisbahn verwandelt hat?
Für die Fahrgäste wurde der Heimweg so zum unfreiwilligen Survival-Training auf rutschigem Parkett. Während man in Westerland noch von jeder Leuchtreklame geblendet wird, setzt Morsum auf maximale Entschleunigung durch Sehkraft-Entzug und akute Rutschgefahr. Das Smartphone-Licht reicht dabei exakt bis zur nächsten tückischen Eisplatte, aber selten bis zur Gewissheit, ob man gerade noch auf sicherem Pflaster steht oder bereits im angrenzenden Nationalpark wandelt. Die Bahnsteigkante mutiert in dieser gefrorenen Finsternis zum echten Event-Horizont – wer sie überschreitet, reist zwar nicht in eine andere Dimension, landet aber verdammt unsanft im Gleisbett. Ein Schelm, wer denkt, die Bahn wolle hier nur Energiekosten sparen, um die Pünktlichkeitsstatistik durch „festgefrorene Passagiere“ künstlich zu bereinigen.
Rechtlich gesehen ist das Ganze natürlich ein Tanz auf dem Vulkan – oder zumindest auf sehr dunklem Glatteis. Die Verkehrssicherungspflicht besagt eigentlich unmissverständlich, dass dort, wo Menschen im Auftrag der Mobilität wandeln, auch jemand das Licht anlassen sollte, besonders wenn die Witterung den Untergrund in eine unberechenbare Gefahrenzone verwandelt. Während die Bahn jeden Kaugummiautomaten mit EU-Richtlinien absichert, scheint die Beleuchtung in Morsum eher nach dem Prinzip „Winter-Romantik für Fortgeschrittene“ zu funktionieren. Sollte ein Gast im Dunkeln den Abflug machen, wird aus der frostigen Morsumer Nacht nämlich ganz schnell ein cinematographischer Gerichtskrimi, bei dem das Argument „ländliche Idylle“ vor dem Amtsgericht selten als Haftungsausschluss durchgeht.
Wir vom Sylter Mediennetzwerk schlagen daher vor: Wenn das Licht schon ausbleibt, dann bitte konsequent! Serviert den wartenden Gästen wenigstens einen heißen Grog, dann ist das Schwanken auf dem dunklen, glatten Bahnsteig wenigstens stilvoll begründet. Bis dahin gilt: Wer in Morsum aussteigt, sollte die Stirnlampe im Seesack und die Spikes unter den Boots griffbereit haben.